Vier Tipps, wie Sie das Finanzamt bei der Erbschaft außen vor lassen Verschenken statt Vererben

So mancher wurde als Erbe schon eiskalt vom Fiskus überrascht, als das Finanzamt den ihm zustehenden Teil von der Erbschaft abhaben wollte. Denn nach Abzug der individuellen Freibeträge erhebt das Finanzamt Steuern auf die Erbschaft. Grund genug, schon zu Lebzeiten aktiv zu werden.
Grundsätzlich steht es Ihnen als Erblasser frei, bereits vor Ihrem Tod Geld zu verschenken. Wie Sie diese Freiheit nutzen, um Vermögen steuerfrei zu übertragen, lesen Sie hier.

1. Der Zehn-Jahres-Trick

Die Freibeträge für Erbschaften und Schenkungen sind nicht einmalig – sie leben alle zehn Jahre wieder auf. Das bedeutet: Wenn Sie regelmäßig Teile Ihres Vermögens übertragen, verdoppeln, verdrei- oder vervierfachen Sie Ihre Freibeträge. Eine lohnende Strategie, wie das folgende Beispiel zeigt.

Beispiel: Sie schenken Ihren Kindern 2011 250.000 Euro, die steuerfrei sind, weil der Freibetrag bei 400.000 Euro liegt. 2022 erben sie von Ihnen 300.000 Euro, die ebenfalls nach heutigem Recht steuerfrei sind. Das Ergebnis: Die Gesamtzuwendung von 550.000 Euro ist steuerfrei. Erben die Kinder jedoch die 550.000 Euro auf einen Schlag, verbleibt nach Abzug des Freibetrags von 400.000 Euro ein sogenannter steuerpflichtiger Erwerb von 150.000 Euro, auf den elf Prozent Steuern fällig werden. Sie zahlen also 16.500 Euro an das Finanzamt!

Vorsicht: Sind zwischen Schenkung und Erbschaft noch keine zehn Jahre vergangen, klappt das Steuersparmodell nur zum Teil. Denn dann holt die Schenkung die Erbschaft steuerlich ein, und es werden ggf. Abgaben fällig, wenn die Freibeträge überschritten sind. Die Reform von 2010 hat die Situation allerdings entschärft. Bisher zählten Geschenke, die der Verstorbene innerhalb der letzten zehn Jahre vor seinem Tod machte, weiterhin voll zum Erbe. Enterbte konnten so beispielsweise auch einen Anteil an einem Aktiendepot einfordern, das der Verblichene bereits neun Jahre vor dem Tod übertragen hatte. Zukünftig mindert sich der Anspruch der anderen Erben jedes Jahr um zehn Prozent, bis er nach zehn Jahren vollständig entfällt. Eine Schenkung im ersten Jahr vor dem Erbfall wird voll in die Berechnung einbezogen, im zweiten Jahr jedoch nur noch zu neun Zehnteln, im dritten Jahr zu acht Zehnteln usw. berücksichtigt. Ausnahme: Das Abschmelzmodell gilt nicht bei Immobilien, an denen sich der Schenker ein Nutzungsrecht (zum Beispiel Nießbrauch) vorbehält, und bei Schenkungen an den Ehegatten des Erblassers.

2. Ungerecht spart Steuern

Bei Erbschaften und Schenkungen in der Familie stehen oft die Gerechtigkeit und der Familiensinn an erster Stelle: Alle sollen gleich bedacht werden. Steuerlich kann das jedoch ein schwerer Fehler sein, weil zum Beispiel bei einer Schenkung oder Erbschaft zugunsten des eigenen Kindes und dessen Ehepartner unterschiedliche Freibeträge gelten.

Beispiel: Sie vererben dem eigenen Nachwuchs und dessen Ehegatten 200.000 Euro, die Sie ganz gerecht aufteilen: Jeder bekommt 100.000 Euro. Das eigene Kind zahlt darauf keine Steuern, das angeheiratete Schwiegerkind sehr wohl: Fällig werden rund 16.000 Euro. Anders sieht es aus, wenn nur das eigene Kind 200.000 Euro geerbt hätte. In diesem Fall wären insgesamt keine Abgaben an das Finanzamt fällig gewesen – die Ersparnis mithin: 16.000 Euro.

Vorsicht: Denken Sie daran, dass bei Erbschaften Pflichtteilsansprüche zu bedenken sind. Das heißt: Eine steuerlich sinnvolle Aufteilung der Erbschaft kann dazu führen, dass es später Streit um das Erbe gibt. Da auch Schenkungen ggf. auf Pflichtteilsansprüche angerechnet werden, sollten größere Schenkungen und Erbschaften immer zusammen mit einem Notar und Steuerberater geplant werden, damit sie nicht erbrechtlich angreifbar sind.

3. Zwei schenken – einer spart Steuern

Freibeträge stehen jedem Schenkenden zu. Das heißt, Ehegatten können doppelt schenken, weil jeder einen Freibetrag "auslöst" – der Beschenkte verdoppelt damit also seinen Freibetrag.

Beispiel: Sie wollen mit Ihrem Ehegatten zusammen einem Kind von Freunden für dessen Studium 100.000 Euro schenken. Schenken Sie das Geld allein, muss das Kind 24.000 Euro Steuern zahlen, denn von den 100.000 Euro müssen nach Abzug des Freibetrags 80.000 Euro zu 30 Prozent versteuert werden. Schenken Sie und Ihr Ehepartner jeweils 50.000 Euro, kassiert das Kind deutlich mehr, denn für jede Schenkung steht ihm ein Freibetrag von 20.000 Euro zu, sodass 6.000 Euro weniger Steuern zu zahlen sind.

4. Steuersparmodell Familienwohnheim

Ehegatten genießen beim Verschenken ein besonderes Privileg, das ihnen beim Vererben nicht zusteht. Das sogenannte Familienwohnheim kann nämlich steuerfrei verschenkt werden. Gemeint ist mit dem Familienwohnheim eine Unterkunft, die dauernd bewohnt wird (deshalb zählt keine Ferienwohnung dazu) und den Mittelpunkt des familiären Lebens darstellt.

Wird eine solche Wohnung verschenkt, fallen keinerlei Steuern an – egal, welchen Wert die Immobilie hat. Voraussetzung ist, dass das Familienwohnheim nach dem Übergang zehn Jahre durch den überlebenden Ehegatten genutzt wird. Beim Erwerb eines Familienheims von Todes wegen durch Kinder ist für die Befreiung neben der Selbstnutzung Voraussetzung, dass die Wohnfläche 200 m2 nicht übersteigt.

Die Steuerklassen

Steuerklasse I: der Ehegatte, Kinder und Stiefkinder, die Enkel, falls deren Eltern verstorben sind, die Eltern und Großeltern (im Todesfall, Erbschaft, Erwerb von Todes wegen)
Steuerklasse II: die Eltern und Großeltern, soweit sie nicht zur Steuerklasse I gehören (mithin also bei Schenkung), die Geschwister, die Abkömmlinge ersten Grades von Geschwistern (Nichten, Neffen), die Stiefeltern, die Schwiegerkinder, die Schwiegereltern, der geschiedene Ehegatte
Steuerklasse III: eingetragene Lebenspartner und alle übrigen Personen, wie zum Beispiel der nichteheliche Lebenspartner, Neffen, Nichten, Pflegekinder, Pflegeeltern, Freunde
Eingetragene Lebenspartner werden zwar wie weiter entfernte Verwandte in die Steuerklasse III eingestuft. Dies bedeutet deutlich höhere Steuersätze als für Ehegatten. Die Gleichstellung mit dem Ehepartner erfolgt jedoch durch die Gewährung des Freibetrags mit 500.000 Euro wie bei Ehegatten.

06.02.2014

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Modell-Foto: colourbox.com