FAQ Berufsunfähigkeitsversicherung Entscheidung Wie hoch sollte die Rente abgeschlossen werden?

Die versicherte Berufsunfähigkeitsrente ist als Einkommensersatz gedacht - und so sollte ihre Höhe auch bemessen werden. Die ausgezahlte Rente aus der Berufsunfähigkeitsversicherung muss reichen, um davon den Lebensunterhalt zu bestreiten.
Um diese Summe X zu bestimmen, muss man natürlich im ersten Step seine Ansprüche kennen bzw. ermitteln, die man im Falle einer Berufsunfähigkeit aus den staatlichen Sicherungssystemen bekommt. Das ist vor allem für alle diejenigen interessant, die in der Deutschen Rentenversicherung pflichtversichert sind und eine Erwerbsminderungsrente beziehen können. Außerdem Beamte auf Lebenszeit, die mit einer Versorgung durch den Dienstherren rechnen können. Viele andere erhalten nichts oder haben nur einen sehr stark eingeschränkten Leistungsanspruch:
  • Schüler, Studenten, Hausfrauen und Hausmänner haben keine Ansprüche auf eine Erwerbsminderungsrente.
  • Selbstständige haben ebenfalls keinen Anspruch auf Leistungen aus der Deutschen Rentenversicherung - eine Ausnahme gilt nur für diejenigen, die pflichtversichert sind.
  • Freiberufler bekommen oft vom zuständigen Versorgungswerk eine Rente bei Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung - die Anspruchshürden sind jedoch recht hoch.
  • Auszubildende haben zumindest bei Arbeitsunfällen und einer Berufskrankheit Schutz über die Erwerbsminderungsrente.
  • Beamte auf Probe und Widerruf sind nicht vom Dienstherren abgesichert - sie werden lediglich in der Deutschen Rentenversicherung nachversichert.

Ansprüche aus betrieblicher Altersversorgung

Über die bAV kann durchaus auch eine betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung mitversichert werden, die Schutz zu ganz attraktiven Konditionen und ggf. mit einer vereinfachten Gesundheitsprüfung ermöglicht. Aber bei der Höhe der Leistungen im Falle einer Berufsunfähigkeit müssen Sie daran denken, dass die Leistungen voll steuerpflichtig sind. Die versicherte Rente muss also deutlich höher gewählt werden als eine privat versicherte Berufsunfähigkeitsrente, die lediglich mit dem Ertragsanteil versteuert wird.

Bezahlbaren Kompromiss finden

Grundsätzlich gilt bei der Wahl der “richtigen” Rentenhöhe in der Berufsunfähigkeitsversicherung, dass Sie einen Kompromiss aus gewünschter und bezahlbarer Leistung finden müssen. Um die Kosten gerade für junge Menschen bezahlbar zu halten, kann die Rentenhöhe erst einmal niedriger angesetzt werden - über eine Beitragsdynamik und eine Nachversicherungsgarantie ist es dann möglich, die Berufsunfähigkeitsrente nach und nach anzupassen. Zum günstigen Einstieg mit einer angemessenen Rentenhöhe eignen sich auch die sogenannten Startertarife: Sie gewähren in den ersten meist fünf bis zehn Jahren zum Teil deutliche Nachlässe auf den Beitrag und verlangen dafür später - wenn das Gehalt entsprechend gewachsen ist - etwas höhere Beiträge.

Nicht jede Rentenhöhe ist versicherbar

Es gibt zwei Faktoren, die die Rentenhöhe nach oben deckeln können: das Einkommen und die eigene Gesundheit.

Einkommen

Die Versicherer haben eigenen Grenzen, bis zu deren Höhe sie eine Berufsunfähigkeitsrente für angemessen halten. Die bemisst sich je nach Versicherer nach dem Brutto- oder Nettoeinkommen - meist auf Basis der letzten drei Jahre.

Prüfung der Basler

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Prüfung der Alte Leipziger

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Berücksichtigt werden bei der Angemessenheitsprüfung natürlich immer bestehende Absicherungen - sowohl im privaten Bereich (natürlich andere Berufsunfähigkeitsversicherungen, aber auch Erwerbsunfähigkeitsversicherungen oder Grundfähigkeitsschutz). Außerdem können bestimmte Berufsgruppen einkommensunabhängig nur Höchstrenten versichern - etwa Studenten, Hausfrauen, aber auch Existenzgründer.

Selbstständige und Freiberufler müssen Ihren Gewinn in der Regel sehr detailliert darlegen, um hohe Renten durchzusetzen. Zusätzlich ist die Rentenhöhe für bestimmte Berufe und Berufsgruppen meist begrenzt. Schüler und Studenten zum Beispiel finden kaum Versicherer, die mehr als 1.000 bis 1.500 Euro absichern - über die Nachversicherung kann die BU-Rente aber später angepasst werden. Und neben Hausfrauen bzw. Hausmännern können oft auch Beamte nur geringere Renten absichern, weil der Versorgungsanspruch gegen den Dienstherren meist deutlich höher ist als der Anspruch auf Erwerbsminderungsrente bei Beamten.

Gesundheit

Ganz wichtig sind bei höheren Berufsunfähigkeitsrenten die Untersuchungsgrenzen der Versicherer: Ab 2.500 Euro monatliche BU-Rente ist meist eine umfangreiche ärztliche Untersuchung erforderlich, die sehr ins Detail gehen kann:

Gesundheitsprüfung der Continentale

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Alternativ zur klassischen Untersuchung kann bei der Continentale wie auch bei anderen Versicherern ein medizinischer Dienst genutzt werden. Der kommt auf Wunsch auch nach Hause und führt die ärztliche Untersuchung durch. Wir raten davon eher ab, weil die Untersuchungsergebnisse dem Versicherer direkt bekannt gegeben werden - Sie haben damit keine Möglichkeit mehr, über die Verwendung der Daten zu entscheiden.

Gesundheitsprüfung Volkswohlbund

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Gerade bei Interessenten mit einer umfangreichen Krankenakte empfehlen wir, zweistufig vorzugehen. Zunächst einmal wird eine BU-Rente von 2.500 Euro mit den regulären Gesundheitsfragen ohne weitere ärztliche Untersuchung beantragt. Ist die bewilligt, wird die restliche BU-Rente in einem separaten Vertrag beantragt. Jetzt wird eine ärztliche Untersuchung fällig, der Schutz bis 2.500 Euro ist dann allerdings schon gesichert. Sollte die ärztliche Untersuchung negative Befunde ergeben, berühren die die bereits versicherten 2.500 Euro nicht mehr.

Steuern und Krankenversicherung nicht vergessen!

Wenn Sie sich über die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente Gedanken machen, denken Sie auch daran, dass die BU-Renten versteuert werden müssen und Sie als freiwillig gesetzlich Versicherter Krankenkassenbeiträge oder ggf. Beiträge für die PKV zahlen müssen, auch wenn Sie berufsunfähig sind. Die steuerlichen Abgaben beim Bezug einer Berufsunfähigkeitsrente werden meist dann relevant, wenn die Renten voll versteuert werden müssen (siehe oben, betriebliche BU) oder Sie mit Ihrer Partnerin oder dem Partner steuerlich gemeinsam veranlagt werden. Denn wer als Single mit 45 Jahren eine BU-Rente von 2.000 Euro ausgezahlt bekommt, die noch 20 Jahre gezahlt werden würde, der muss gerade mal 400 Euro davon überhaupt nur versteuern - wenn es keine anderen Einkünfte gibt, wären das also gut 5.000 Euro im Jahr und damit eine Steuerlast von 0 Euro, weil nicht einmal das Existenzminimum erreicht wird! Wenn allerdings die gleiche Rente an jemanden ausgezahlt wird, der steuerlich gemeinsam veranlagt wird und bei dem der Steuersatz 35 Prozent beträgt, dann werden immerhin gut 150 Euro Steuern monatlich fällig.
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“Mit der BU-Rente entlaste ich ja nur den Staat” - stimmt das?

Dieses Argument hören wir häufig: Gerade kleinere BU-Renten würden ja nur dazu führen, dass der HartzIV-Anspruch ausgehöhlt wird. Die Rechnung dahinter: Selbst als Single bekomme ich Grundsicherung und einen Mietzuschuss, der sich oft im Bereich von 600 bis 800 Euro monatlich bewegen wird. Wird eine BU-Rente von 1.000 Euro versichert, dann entfällt der HartzIV-Anspruch. Der Versicherte hat also viele Jahre Beiträge eingezahlt und muss sich die Leistung voll anrechnen lassen.

Hört sich logisch (und ärgerlich) an, stimmt aber nicht.
  1. Wer berufsunfähig wird und seine BU-Rente bekommt, hat trotzdem einen Anspruch auf Wohngeld oder Lastenzuschuss, der auch Bestandteil von HartzIV ist. Es entfällt also die Hilfe zum Lebensunterhalt aus der HartzIV-Unterstützung, nicht aber der Mietzuschuss.
  2. Wer in einer Partnerschaft lebt und dort Einkommen vom Partner vorhanden ist, der wird kein HartzIV bekommen, weil das Gesamteinkommen zu hoch ist. Eine Berufsunfähigkeitsrente wird unabhängig davon ausgezahlt.
  3. Wer HartzIV bezieht, steht unter engmaschiger Kontrolle durch die Sozialbehörden und muss viele Mitwirkungspflichten erfüllen, damit die Leistungen nicht gekürzt werden. Die Berufsunfähigkeitsrente wird so lange gezahlt, wie Berufsunfähigkeit fortbesteht. Sie können sich so auf Ihre Gesundung konzentrieren und müssen nicht den Kampf mit den Behörden um einen staatlichen Zuschuss führen. 
  4. Wer HartzIV bezieht, wird zum Bittsteller und steht gesellschaftlich am Rand. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung verschafft finanziellen Spielraum für ein selbstbestimmtes Leben.

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