Minijob Diese Regeln sollten Sie kennen

Geringfügige Beschäftigung - sie sog. Minijobs - sind beliebt: Gerade bei Familien mit kleineren Kindern sorgen sie für ein Zusatzeinkommen, das oft dringend benötigt wird - auch, um sich Wünsche wie de Umzug in die eigenen vier Wände und eine Hausfinanzierung erlauben zu können. 
Und die Minijobs sind für Arbeitnehmer ein gutes Geschäft: Denn sie müssen auf ihren Verdienst keine Abgaben zahlen und bekommen das Gehalt "brutto für netto". Die fälligen Abgaben übernehmen die Unternehmen und zahlen 30 Prozent Pauschale aufs Gehalt im gewerblichen und zwölf Prozent im privaten Bereich. Dazu kommen Umlagen für die Lohnfortzahlung und für das Insolvenzgeld in Höhe von 1,08 Prozent des Gehaltes. Diese einfache Regelung der Minijobs wird jedoch an vielen Stellen von komplizierten Zusatz-Regelungen überlagert – die wichtigsten Regelungen für die geringfügige Beschäftigung sind hier zusammengefasst. 

Minijob: Die Einkommensgrenze

Grundsätzlich ist es nicht vorgesehen, dass Sie in Ihrem Minijob regelmäßig mehr als 450 Euro monatlich verdienen. Das bedeutet aber auch Vorsicht für Sie und den Arbeitgeber: Denn auch einmalige Zahlungen gehören zum "regelmäßigen Lohn" und dürfen zusammen mit allen anderen Zahlungen die 450-Euro-Grenze nicht knacken.

Ein Beispiel: Sie verdienen im Monat für 42 Stunden Arbeit 420 Euro. Weihnachten erhalten Sie einen Bonus von 400 Euro, sodass Sie im Jahr insgesamt 5.440 Euro verdienen. Das sind pro Monat 453,33 Euro und damit genau 3,33 Euro zu viel. In diesem Fall würden die Vorteile des Minijobs wegfallen, Lohn und Gehalt würden – wenn für Sie als Arbeitnehmer auch lediglich in der Gleitzzone – voll versicherungs- und vor allem steuerpflichtig. 

Tipp: Sonderzahlungen werden nur dann berücksichtigt, wenn sie auch tatsächlich ausgezahlt werden. Ein Anspruch zum Beispiel auf Weihnachtsgeld kann also nur dann die 450-Euro-Grenze berühren, wenn Sie das Weihnachtsgeld auch tatsächlich ausgezahlt bekommen. Sogeannter Phantomlohn, auf den Sie einen Anspruch haben, den Sie aber nicht durchsetzen, spielt bei der Bemessung der 450-Euro-Grenze keine Rolle.
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Minijob: Zweimal im Jahr mehr verdienen?

Eine Ausnahme von der starren 450-Euro-Grenze gibt es tatsächlich: Wird nur gelegentlich und nicht vorhersehbar mehr gearbeitet und steigt der Lohn dann auf über 450 Euro im Monat, enden damit nicht automatisch die Vergünstigungen. Aktuell – das gilt bis zum Jahr 2018 – dürfen Minijobber dreimal innerhalb des Kalenderjahres mehr als 450 Euro verdienen und kommen trotzdem in den Genuss der "brutto für netto"-Regelung. Der Arbeitgeber muss die Pauschalen dann natürlich auch auf den höheren Lohn zahlen, der Arbeitnehmer darf dann sogar auf das Jahr gesehen deutlich mehr als 5.400 Euro verdienen.

Ein Beispiel: Ein Minijobber verdient im Rahmen der geringfügigen Beschäftigung im Monat 400 Euro, springt dann im Juli und August aber für eine Kollegin ein und arbeitet Vollzeit mit einem Gehalt von 1.400 Euro. Obwohl hier im Schnitt deutlich mehr als 450 Euro verdient wird, bleibt der Job als Minijob steuer- und abgabenfrei für den Beschäftigten.

Wann aber ist eine Überschreitung "unvorhersehbar"? Der Rahmen ist eng gezogen, vor allem Mehrarbeit durch Krankheit oder Schwangerschaft wird davon abgedeckt – vorhersehbar sind dagegen Urlaubsvertretungen oder wiederkehrende Mehrarbeit zu Spitzenzeiten wie im Weihnachtsgeschäft – sie sind planbar und erlauben damit nicht, mehrmals im Jahr mehr als 450 Euro zu verdienen.
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Minijob: Mehr als 450 Euro verdienen

Die 450-Euro-Genze bezieht sich immer nur auf den klasssichen Barlohn, also den als Bargehalt abgerechneten Teil des Lohnes. Nicht unter die Verdienstgrenze fallen Gehalts-Extras, die zusätzlich zum Lohn gezahlt werden. Sie erhöhen das Gehalt, sind aber für die Mitarbeiter dennoch meist steuer- und abgabenfrei, bzw. fällige Abgaben können vom Arbeitgeber übernommen werden. Als Gehaltsextras kommen infrage:

1. Fahrtkostenzuschuss

Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern mit Fahrtkostenzuschüssen den Weg zur Arbeit finanziell erleichtern – unabhängig davon, wie der Mitarbeiter zur Arbeit kommt. Pro Tag und Entfernungskilometer sind 0,30 Euro als Zuschuss möglich, die Arbeitgeber pauschal mit 15 Prozent versteuern können.

2. Benzingutschein

Der Benzingutschein ist eine weitere Möglichkeit, Minijobbern die Fahrt zur Arbeit bzw. die Mobilität insgesamt finanziell zu erleichtern. Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern einen solchen Gutschein in einem Wert bis zu 44 Euro zukommen lassen, den er dann an der Tankstelle einlöst. Diese Gutscheine bleiben bis zu 44 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei.

3. Erholungsbeihilfen

Sogenannte Erholungsbeihilfen sind eine gute Möglichkeit, den Minijobbern zusätzlichen Lohn zukommen zu lassen: Arbeitgeber können pro Jahr bis zu 156 Euro für den Arbeitnehmer gewähren, 104 Euro für den Ehegatten und 52 Euro für jedes Kind. Die Auszahlung der Beihilfe muss lediglich in einem zeitlichen Zusammenhang zur Erholungsmaßnahme erfolgen, wobei eine solche "Maßnahme" auch ein Urlaub des Minijobbers zu Hause sein kann.

4. Gesundheitsförderung

Unternehmen haben die Möglichkeit, Ihren Mitarbeitern als Zusatzleistung zum ohnehin geschuldeten Lohn Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes zu finanzieren. Bis zu 500 Euro jährlich sind solche Leistungen komplett steuer- und sozialversicherungsfrei. Als Maßnahmen infrage kommen:
  • Rückenschul-Kursangebote
  • Ernährungsberatung
  • Gruppenkurse zur Gewichtsreduktion
  • Maßnahmen zur Entspannung am Arbeitsplatz
  • Informationen zum Stressabbau am Arbeitsplatz
  • Informationen zur Raucherentwöhnung

5. Kindergartenzuschuss

Auch die Unterstützung von Mitarbeitern bei der Kinderbetreuung lohnt sich finanziell. Denn die Arbeitgeber-Leistungen zur Unterbringung und Verpflegung von nicht schulpflichtigen Kindern in Kindergärten sind steuer- und sozialversicherungsfrei, wenn diese Unterstützung zusätzlich zum regulären Gehalt erfolgt. Die Kosten können bis zur Höhe der tatsächlich anfallenden Kosten übernommen werden.

6. Überlassung von PC, Notebook und Co.

Unternehmen haben die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern einen Computer zu schenken, wobei Computer im weitesten Sinne zu verstehen ist: Neben dem Notebook fallen auch Tablets und Smartphones sowie Peripheriegeräte unter diese Regelung. Den Geldwert des Gerätes müssen die spendablen Arbeitgeber pauschal mit 25 Prozent versteuern, wobei diese Steuer auch vom Minijobber selbst getragen werden kann, ohne dass dies Auswirkungen auf seine Verdienstgrenze hat.

7. Betriebliche Altersvorsorge

Auch Leistungen zur betrieblichen Altersvorsorge – etwa für eine Direktversicherung – können als zusätzliches Extra zum Gehalt eines Minijobbers gezahlt werden. Der Chef übernmmt in diesem Fall die Beiträge für die Direktversicherung, aus der der Minijobber später eine zusätzliche Rente bezieht oder eine Kapitalzahlung erhält. Neben der betriebliche Altersvorsorge gibt es aber auch andere Möglichkeiten, wie die Absicherung vom Chef die Vorsorge auch bei einem Minijobber optimieren kann: So sind Unfall- oder Krankenzusatzversicherungen möglich.

Mindestlohn gilt auch für Minijobber!

Für Minijobber müssen Arbeitgeber die Regelungen zum Mindestlohn einhalten und 8,84 Euro pro Stunde zahlen. Das heißt: Ein Minijobber darf nicht mehr als 50,9 Stunden monatlich arbeiten, weil er sonst unter die 8,84 Euro-Grenze fällt. Problematisch ist bei den Minijobbern die Behandlung der Gehalts-Extras beim Mindestlohn. Denn obwohl viele der Extras ganz klar Gehalts-Charakter haben, werden sie bei der Berechnung des Mindestlohns nicht mit einbezogen: Das gilt zum Beispiel für alle Zahlungen mit Aufwendungsersatz – wie zum Beispiel für einen Fahrtkostenersatz oder einen Internetzuschuss.

Ein Beispiel: Ein Minijobber erhält bei 56 Stunden Arbeit im Monat 450 Euro Gehalt und einen Fahrtkostenzuschuss von 45 Euro monatlich. Aus den 495 Euro ergibt sich zwar rechnerisch ein Stundensatz von 8,84 Euro, zugrunde gelegt werden aber nur die 450 Euro, die bei 56 Stunden einen Stundensatz von 8,03 Euro ergeben. Damit wird der Mindestlohn nicht gezahlt, es müssen 0,81 Euro pro Stunde nachgezahlt werden – damit wir die Grenze von 450 Euro "gerissen" und die Tätigkeit für das ganze Jahr sozialversicherungspflichtig.  

Minijob: Die Aufstockungsoption

Als Arbeitnehmer zahlen Sie bei einem Minijob auf 450-Euro-Basis keine Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge, denn die trägt der Arbeitgeber. Wenn Sie als Minijobber Rentenansprüche erwerben wollen, können Sie aus den Pauschalbeiträgen des Arbeitgebers vollwertige Pflichtbeiträge machen, indem Sie sie aufstocken bis zur Höhe des normalen Beitragssatzes in der Rentenversicherung, der aktuell bei 18,9 Prozent liegt. Im gewerblichen Bereich müssen Sie die Pauschalabgabe von 15 Prozent damit um 3,9 Prozentpunkte aufstocken, im privaten Bereich um 13,9 Prozentpunkte. Anders als früher ist die Aufstockung heute pauschal vorgesehen – Sie können ihr aber widersprechen.

Ein weiterer Vorteil für Sie: Durch die Aufstockung sind Sie pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung und haben damit einen unmittelbaren Anspruch auf die Riester-Rente. Damit können Sie nicht nur die Grundzulage und die Kinderzulage für Ihren Vertrag beanspruchen, sondern die Beiträge auch noch als Sonderausgaben geltend machen. Ein weiteres Plus: Wenn Ihr Ehegatte selbst (zum Beispiel als Selbstständiger) keinen Anspruch auf Riester-Förderung hat, dann verschaffen Sie ihm durch die Aufstockung zumindest einen mittelbaren Anspruch.
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Minijob im gleichen Unternehmen wie der Hauptjob – geht das?

Nun kann man auf die Idee kommen, dass man bei seinem Hauptarbeitgeber einen 450-Euro-Job annimmt, um Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zu sparen. Grundsätzlich gilt dabei: Die geringfügige Beschäftigung mit einem Monatsverdienst unter 450 Euro kann auch dann pauschal mit zwei Prozent versteuert werden, wenn sie beim selben Arbeitgeber ausgeübt wird und der Arbeitslohn aus der Hauptbeschäftigung nach Lohnsteuerkarte versteuert wird.

Hinsichtlich der Sozialversicherungspflicht muss jedoch von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis ausgegangen werden – eine Aufspaltung in Haupt- und Nebenbeschäftigung bei einem Arbeitgeber ist sozialversicherungsrechtlich unbeachtlich, wie das Bundesozialgericht (AZ: 12 RK 26/81) entschieden hat. Damit ist der 450-Euro-Job in der Firma, in der auch der Hauptjob ausgeübt wird, nicht sozialversicherungsfrei – steuerlich würde ein solcher Nebenjob aber schon Entlastung bringen, weil er pauschal versteuert werden kann.

Familienversicherung bleibt beim Minijob bestehen

Familienangehörige sind in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung beitragsfrei beim Ehegatten oder den Eltern im Rahmen der Familienversicherung mitversichert, wenn sie nur ein geringes Einkommen von weniger als 425 Euro haben. Für Minijobber gilt hier allerdings eine Erweiterung: Auch wenn sie 450 Euro im Monat verdienen, bleiben sie beitragsfrei familienversichert. Ganz wichtig: Selbst wenn das Einkommen durch unvorhersehbare Mehrarbeit zweimal im Jahr über 450 Euro im Monat liegt, geht die beitragsfreie Familienversicherung nicht verloren.

Satte Vorteile für Übungsleiter im Minijob

Wer nebenberuflich als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder in ähnlichen Positionen tätig ist oder nebenberuflich künstlerisch tätig ist oder sich in der nebenberuflichen Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen betätigt, kann bis zu 2.400 Euro jährlich steuer- und sozialversicherungsfrei bekommen, wenn die Tätigkeit im Auftrag oder im Dienst einer gemeinnützigen Organisation oder einer juristischen Person des öffentlichen Rechts ausgeübt wird. Gleichzeitig kommt bei nebenberuflichen Tätigkeiten natürlich die Minijob-Regelung zum Einsatz, sodass die Übungsleiter über den Übungsleiterfreibetrag von (umgerechnet) 200 Euro hinaus bis zu 450 Euro im Monat steuer- und sozialversicherungsfrei bekommen können. Somit bleiben bis zu 650 Euro im Monat steuer- und sozialversicherungsfrei.

29.09.2017

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Modell-Foto: colourbox.com