Überversicherung Gefährliche Doppelversicherungen

Doppelt hält besser, denkt sich mancher Verbraucher und versichert sich über. In vielen Fällen ist das ohne Belang, etwa bei einer privaten Rentenversicherung. Vor allem bei Risiko-Versicherungen hingegen sind Überversicherungen problematisch – und sorgen für Stress mit der Versicherung.
Beispiel private Krankenversicherung: Alle Leistungen können nur einmal bei einem Versicherer abgerechnet werden – alles andere ist strafbarer Betrug. Und auch bei der privaten Haftpflichtversicherung ist eine Überversicherung nicht möglich – ein möglicher Schaden wird einmal beglichen, und weitere Ansprüche können nicht geltend gemacht werden. Auch bei der Rechtsschutzversicherung kommt man mit dem Grundsatz "viel hilft viel" nicht weiter, denn die Kostenübernahme für einen Prozess kann immer nur von einer Versicherung verlangt werden. Viele Policen bedeuten also nicht, dass im Prozess viele Anwälte herangezogen werden können. Und bei der Hausratversicherung sowie bei der Wohngebäudeversicherung gilt: Jeder kann sich so gut versichern, wie er es für nötig hält. Tatsächlich müssen alle Versicherer zusammen den Schaden nur einmal zahlen.

Risikolebensversicherung: "Grenzenlose" Absicherung möglich

Bei anderen Versicherungen kann man tatsächlich zum Policensammler werden. So können Risikolebensversicherungen praktisch erst einmal grenzenlos abgeschlossen werden – es gibt keine Höchstgrenze, bis zu der man sich versichern kann. Manchmal kann es sogar sinnvoll sein, verschiedene Policen abzuschließen. Je nach insgesamt "angehäufter" Versicherungssumme steigen allerdings die Hürden: Ab ca. 300.000 Euro Versicherungssumme bei allen abgeschlossenen Risikolebensversicherungen zusammen muss bei einer dann hinzukommenden Risikolebensversicherung mit einer ärztlichen Untersuchung gerechnet werden. 

Berufsunfähigkeitsversicherung: Höchstgrenzen beachten

Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine gefährliche Police für Verbraucher mit Hang zur Überversicherung. Sie können zwar so viele Berufsunfähigkeitsverträge abschließen, wie Sie wollen, wenn Sie gegenüber allen Versicherern mit offenen Karten spielen. Im Invaliditätsfall darf die Rente aus allen Verträgen jedoch meist nicht höher sein als ein bestimmer Satz vom Netto- oder Bruttoeinkommen. Ob die Rente in diesem Sinne angemessen ist, wird vor allem bei höheren Renten ab 2.500 Euro monatlich meist schon bei Vertragsabschluss geprüft. 

Vorsicht beim Antrag

Allerdings darf man nicht über die Antragsfalle stolpern: Denn wenn Sie Versicherungsschutz beantragen, während Sie woanders schon versichert sind, müssen Sie das angeben, wenn – was der Regelfall ist – im Antrag danach gefragt wird. Wer das vergisst oder absichtlich verschweigt, der kann den Schutz komplett verlieren, wie ein Urteil zu einer Unfallversicherung zeigt. In dem vor dem Bundesgerichtshof (AZ: IV ZR 331/05) verhandelten Fall hatte ein Mann einen Schutzbrief eines Automobilclubs mit einer Unfallversicherung und gleichzeitig eine weitere Unfall-Police abgeschlossen. Der Mann hatte nach einem Unfall keine Leistungen seiner privaten Unfallversicherung erhalten. Die Begründung unter anderem: Der Mann habe seinen Schutzbrief unerwähnt gelassen, der ebenfalls eine Unfallversicherung enthielt. Das sei eine arglistige Täuschung, die einen Rücktritt des Versicherers ermöglicht – und damit wäre die Assekuranz von der Leistung frei. Die Versicherung verlor vor Gericht am Ende dann zwar, aber der Streit zeigt, wie rigoros Versicherer das Verschweigen von Parallelversicherungen ahnden wollen.

05.01.2017

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Modell-Foto: colourbox.com