Gastbeitrag von Dr. Annabel Oelmann Privathaftpflicht: Die absolute Muss-Versicherung

Auch wenn Sie schon eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben, sollten Sie sich die Zeit nehmen und weiterlesen. Was die Privathaftpflichtversicherung abdeckt und was Sie beim Vertragsabschluss beachten sollten – Tipps von Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen:
Ein Gastbeitrag von Dr. Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen  

Die gelernte Bankkauffrau ist seit April 2016 Vorstand bei der Verbraucherzentrale Bremen. Davor leitete sie sieben Jahre die Gruppe Finanzen und Versicherungen und später den Bereich Verbraucherfinanzen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie wurde an der Universität Osnabrück im Bereich Sozialwissenschaften promoviert und hat einen Abschluss als Diplom-Wirtschaftsjuristin von der Fachhochschule Osnabrück. Zu den Schwerpunkten Ihrer Arbeit gehören die Qualität der Anlageberatung in Deutschland und die Erhöhung der Transparenz von Produktinformationen. Sie ist als Expertin bei den Medien gefragt. Mehr Informationen finden Sie unter: www.annabeloelmann.de.

Wie hilft mir die Privathaftpflichtversicherung?

In § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) steht sinngemäß: Wer einem anderen einen Schaden zufügt, ist zum Schadensersatz verpflichtet. Diese zentrale Norm des BGB kann jeden von uns jederzeit treffen - egal ob ein Besucher etwas in ihrer Wohnung kaputt macht, der Briefträger über einen losen Pflasterstein stolpert oder ein Dachziegel herabfällt und einen Passanten oder ein Fahrzeug trifft. Als Verbraucher haften Sie in den Risiken des täglichen Lebens. Gegen dieses Risiko schützt eine Privathaftpflichtversicherung. Familien erhalten eine solche Absicherung bereits für 50 € bis 70 Euro pro Jahr, Singles sogar noch günstiger.

Wie sollte ein guter Vertrag ausgestaltet sein?

Da es zu hohen Ersatzforderungen kommen kann, ist eine pauschale Deckungssumme für Personen-, Sach- und Vermögensschäden von mindestens 5 Millionen € zu empfehlen. Bei der Vereinbarung von Jahresverträgen ist man flexibler und kann auf veränderte Lebensumstände oder Gesetzesänderungen schneller reagieren. Sollten sich keine Veränderungen ergeben, wird der Vertrag automatisch um ein Jahr verlängert. Wer seine Prämie jährlich zahlt, spart ebenfalls Geld.
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Welche Klauseln sind zusätzlich sinnvoll?

Forderungsausfallschutz

Sie können sich noch so gut absichern: Wenn Sie einmal Geschädigter sind, sind Sie darauf angewiesen, dass auch Ihr Gegenüber abgesichert ist. Leider besitzt etwa ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland keine private Haftpflichtversicherung! Wenn Ihr Schädiger auch sonst mittellos ist, sehen Sie von Ihren Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen wahrscheinlich keinen Cent. Um dies zu verhindern, ist es ratsam, einen Vertrag mit Forderungsausfalldeckung abzuschließen. Damit übernimmt Ihr eigener Versicherer diese Schäden.

Schäden durch Deliktunfähige 

Gerade bei Eigenheimbesitzern ist es wichtig, ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zu pflegen, da dies oft für Jahrzehnte besteht. Stellen Sie sich vor, Ihr Kleinkind streift, begeistert von der neu gewonnenen Mobilität, mit dem Laufrad am Auto des Nachbarn vorbei und hinterlässt eine formschöne Kratzspur. Sie befanden sich nur ein paar Schritte hinter dem Kind, konnten aber so schnell gar nicht reagieren. Nach bürgerlichem Recht sind Kinder unter sieben Jahren deliktsunfähig, im Straßenverkehr sogar bis zum zehnten Lebensjahr. Sollten diese also einen Schaden verursachen, können sie nicht schadensersatzpflichtig gemacht werden. Dies gilt auch für die Eltern, sofern sie die Aufsichtspflicht nicht verletzt haben. Der Nachbar bliebe in diesem Fall auf seinem Schaden sitzen. Rein rechtlich hat er keinen Anspruch.  Darunter würde jedoch die gute Nachbarschaft leiden – schließlich hat Ihr Nachbar de facto einen Schaden erlitten, den er selber nicht verursacht hat, sondern vielmehr – wenn auch ohne Absicht und ohne rechtliche Folgen - Ihr Kind. Um nachbarschaftlichen Ärger zu vermeiden ist man daher schnell gewillt, den Schaden aus eigener Tasche zu begleichen. Für diesen Fall leisten gute Anbieter auch bei Deliktsunfähigkeit

Übrigens: Dies gilt neben Kindern auch bei geistig behinderten Personen und Menschen, die unter Altersdemenz leiden und als deliktsunfähig eingestuft wurden. Falls jemand aus diesem Personenkreis in Ihrem Haushalt lebt, sollten Sie darauf achten, dass die Deliktsunfähigkeit mit abgedeckt ist und auch den Straßenverkehr umfasst.

Gefälligkeitshandlungen

Wer fasst nicht schon mal mit an, wenn ein Freund oder Nachbar Hilfe braucht, sei es beim Auszug der Kinder, Renovieren oder Umbau des Eigenheims. Jeder kommt mit seinen individuellen Fähigkeiten zu Hilfe. Dabei handelt es sich in der Regel um eine reine Gefälligkeitshandlung. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch wird eine stillschweigende Haftungsausschlussvereinbarung für den Helfenden angenommen, da man demjenigen, der aus reiner Freundlichkeit handelt, kein zusätzliches Haftungsrisiko aufbürden möchte. Allerdings ist es oft auch unbillig, den Geschädigten mit seinem Schaden allein zu lassen. Wer in seiner Privathaftpflichtversicherung in einer Klausel Gefälligkeitshandlungen eingeschlossen hat, ist hier auf der sicheren Seite. Die Versicherungssumme beträgt meist 10.000 Euro oder mehr und es ist eine Selbstbeteiligung bis zu 250 Euro je Schadensfall üblich.
 

Was deckt die Privathaftpflichtversicherung außerdem ab?

  • In der Familienversicherung gelten alle im Haushalt lebenden Personen als mitversichert. Unverheiratete Partner müssen namentlich benannt werden. Zieht ein Paar erstmals zusammen und haben beide eine eigene Privathaftpflichtversicherung, so gilt das Recht des älteren Vertrages. Der neuere Vertrag kann unter Ausübung eines Sonderkündigungsrechts mit sofortiger Wirkung beendet werden.
  • Kinder sind bis zur Beendigung der ersten Ausbildung mitversichert, auch wenn sie nicht mehr im Haushalt der Eltern leben.
  • Verkehrsunfälle, die Sie als Radfahrer oder Fußgänger im Straßenverkehr fahrlässig verursachen.
  • In der Regel Schäden, die Sie als Mieter einer Ferienwohnung oder eines Hotelzimmers zu verantworten haben.
  • In der Regel Schlüsselverlust fremder privater, zum Teil auch beruflicher/dienstlicher Schlüssel. Bei guten Anbietern inklusive Schließanlage, Generalschlüssel und vorübergehenden Sicherungsmaßnahmen.
  • Die Privathaftpflichtversicherung dient auch als kleine Rechtsschutzversicherung. Wenn Sie unberechtigterweise zum Schadensersatz herangezogen werden, wehrt der Privathaftpflichtversicherer diese Forderung schon aus Eigeninteresse für Sie ab.

Das ist nicht versichert in der Haftpflichtversicherung

  • Vorsätzlich herbeigeführte Schäden, die Personen eines Haushaltes untereinander erleiden.
  • Der Betrieb von motorisierten Fahrzeugen, beispielsweise ein E-Bike ab 20 km/h oder ein Aufsitzrasenmäher.
  • Die Beschädigung oder Zerstörung geliehener, gepachteter oder gemieteter Gegenstände. Hier ist, falls erforderlich und gewünscht, bei vielen Anbietern eine Deckungserweiterung möglich. 
Für eine persönliche, individuelle und unabhängige Beratung zu Ihrem gesamten privaten Versicherungsbedarf steht Ihnen die Verbraucherzentrale mit ihren Beratungsstellen vor Ort zur Verfügung. Dort können Sie einen Termin mit einem/r unabhängigen Versicherungsberater/ in vereinbaren und/oder unseren Ratgeber “ Richtig versichert. Wer braucht welche Versicherung?” erwerben.

Infokasten

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale Bremen ist eine private Haftpflichtversicherung eine der wichtigsten Versicherungen und damit ein absolutes Muss für Jeden. Ein guter Vertrag weist folgende Kriterien auf:
  • Pauschale Deckungssumme mindestens 5 Millionen Euro
  • Laufzeit beträgt nur ein Jahr, möglichst jährliche Zahlweise
  • Inklusive Forderungsausfalldeckung
  • Gefälligkeitshandlungen sind mitversichert
  • Mietsachschäden sind mitversichert
  • Je nach Personenkreis ist Deliktsunfähigkeit eingeschlossen
  • Falls erforderlich, sollte das Schlüsselrisiko enthalten sein
  • Jahresprämie nicht höher als etwa 50 – 75 Euro,
  • Direktversicherer sind oft die günstigste Alternative
  • Aktuelle Bedingungen AVB PHV (2010 oder jünger).

02.02.2017

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Modell-Foto: colourbox.com