Wie Makler abkassieren Wehren Sie sich gegen Immobilienhaie

Der Auftakt des Tests war ernüchternd. Ich habe mich als angeblicher Immobilienkäufer und Wohnungssuchender auf die Immobilienbörsen im Internet und die Anzeigenteile der Tageszeitungen gestürzt – auf der Suche nach einer neuen Wohnung für mich und meine Familie in Hamburg.
Der erste Makler weigerte sich, auf dem Handy zurückzurufen und den offenen Termin zu bestätigen. Immerhin, so seine Begründung, habe er mit mir noch keinen Cent verdient, da seien Handygespräche nicht möglich.

Frech, unverschämt und inkompetent

Und so geht es weiter. Blumige Anzeigentexte verschleiern in echter Maklersprache echte Bruchbuden, Unterlagen werden nicht verschickt ("Steht alles im Internet"), Detailinformationen zu Nebenkosten für den Mieter oder Wohngeld und Eigentümerversammlungsprotokolle werden trotz mehrfacher Nachfrage schlichtweg nicht herausgegeben, und Informationsgespräche bei Neubauprojekten sind reine Zeitverschwendung – so miserabel sind manche Makler vorbereitet, die immerhin Immobilien im Wert von 350.000 Euro verkaufen wollen. Insgesamt scheint es so, dass Immobilienmakler ihren fast durchweg schlechten Ruf zu Recht genießen: "Großes Geld für schmale Leistung" scheint das Motto zu sein. Wehren Sie sich gegen solche Abzocker! Hier finden Sie Tipps, wie Sie Makler für sich nutzen, ohne selbst ausgenutzt zu werden.

Seriösität prüfen

Fragen Sie den Makler ruhig einmal nach seinen Schwerpunkten und Erfahrungen. Wer hier abwiegelt (Zitat bei meinem Test: "Das geht Sie nichts an!"), hat Ihr Vertrauen nicht verdient. Ebenfalls schlecht: Makler ohne Büro, nur mit Handyanschluss – hier verhökert oft ein Berufsfremder nebenbei die Wohnungen von Bekannten und teilt sich das Geld mit dem Eigentümer. Am sinnvollsten ist es, auf Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis zu hören.

Keine Massentermine vereinbaren

Wenn Sie einen Makler in Anspruch nehmen müssen, bestehen Sie darauf, nicht an einem Massentermin abgefertigt zu werden. Für die Courtage – von zwei Monatsmieten als Mieter bzw. bis zu sieben Prozent des Verkaufspreises als Käufer – können Sie erwarten, einen Einzeltermin zu bekommen. Wenn der Makler das ablehnt, vergessen Sie die Wohnung oder Immobilie. Es ist ohnehin reines Glücksspiel, ob Sie sich gegen Dutzende Mitbewerber durchsetzen!

Klare Absprachen treffen

Welche Leistungen erbringt der Makler, was muss er tun, um sich sein Geld zu verdienen? Viele Makler sehen ihre Leistung darin, einfach eine Wohnung anzubieten. Kann man damit mehrere 1.000 Euro verdienen? Eigentlich nicht, denn Aufgabe ist es, die angebotene Immobilie zu vermakeln, Ihnen Informationen zu besorgen, Sie mit Unterlagen auszustatten. Bestimmen Sie den Umfang des Maklervertrages, machen Sie klar, dass Sie für Ihr Geld Leistung verlangen.

Nur einen Makler beauftragen

Wenn Sie eine Wohnung angeboten bekommen, die Sie bereits von einem anderen Makler (oder für Sie noch besser) vom Vormieter, Verkäufer oder Eigentümer kennen, teilen Sie das dem Makler sofort mit. Ansonsten können Sie Pech haben und müssen später zahlen, obwohl der Makler die Wohnung gar nicht vermittelt hat. Ganz wichtig: Das gilt auch bei einer Wohnung, die von zwei Maklern angeboten wird. Teilen Sie die Dopplung nicht mit, müssen Sie eventuell an beide Makler die volle Provision zahlen!

Verhandeln, verhandeln, verhandeln!

Klar dürfte sein, dass eine begehrte Altbauwohnung in Top-Lage wohl kaum Spielraum beim Verhandeln über die Courtage zulässt – weder für Käufer noch für potenzielle Mieter. Aber nun werden den Maklern nicht alle Immobilien heiß aus der Hand gerissen – ganz im Gegenteil. Wenn Sie den Immobilienmarkt aufmerksam verfolgen, werden Sie feststellen, wie viele Häuser und Wohnungen wie Blei im Regal liegen. Und bei diesen Immobilien sind im Hinblick auf die Courtage spielend Nachlässe von bis zu 50 Prozent möglich. Denn die Makler nehmen nicht nur lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, sondern sind ja auch unter Druck, weil die Eigentümer und Verkäufer die Immobilie losschlagen wollen und genau dafür den Makler beauftragt haben.

Keine krummen Dinger

Versuchen Sie nicht, Makler auszutricksen. Ich habe schon von den abenteuerlichsten Ideen gehört, wenn A sich als Kunde ausgibt, die Wohnung besichtigt und B dann direkt an den Eigentümer herantritt mit dem Vorwand, er habe von Nachbarn erfahren, die Wohnung sei zu verkaufen oder zu vermieten. Zum einen ist das unfair gegenüber den Maklern, die wirklich ihren Job gewissen haft erledigen – und die gibt es natürlich! Und zum anderen wissen Makler sich natürlich zu helfen und werden versuchen, an ihr Geld zu kommen. Und dann haben eventuell A und B mächtig Ärger am Hals.

02.01.2017

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Modell-Foto: colourbox.com