Kita-Fonds Mit neuen Kindertagesstätten Rendite erwirtschaften

Das Thema Kita-Plätze ist momentan in aller Munde. Nicht zuletzt deshalb, weil nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes immer noch rund 220.000 Kita-Plätze fehlen, um den seit 1. August 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder ab drei Jahren erfüllen zu können.
Kita-Fonds Mit neuen Kindertagesstätten Rendite erwirtschaften
Kein Wunder, dass findige Fondsanbieter die Idee hatten, sich den Bedarf an Kita-Plätzen zunutze zu machen und ein entsprechendes Anlageprodukt aufzulegen. Wir stellen Ihnen diese Kita-Fonds nachfolgend einmal genauer vor.

Auch wenn der Name zunächst etwas anderes suggerieren mag, werden die Kita-Fonds keine eigenen Kindertagesstätten unterhalten, sondern lediglich die Immobilien dafür bereitstellen. "Kita-Fonds funktionieren rechtlich und gesellschaftlich wie klassische geschlossene Immobilienfonds, der Mieter wäre in diesem Fall der Träger der Kita", erklärt Eric Romba, Sprecher und Hauptgeschäftsführer des Verbands Geschlossene Fonds e.V. (VGF). Den ersten Kita-Fonds mit dem Namen KinderWelten I hat Ende 2011 die luxemburgische Fondsgesellschaft Aviarent aufgelegt. Dieser Fonds hat etwa 30 Immobilien mit einem Gesamtvolumen von mehr als 50 Millionen Euro in seinem Portfolio.

Modell für private Anleger?

Dieser Fonds richtet sich allerdings ausschließlich an institutionelle Investoren − wie etwa Versicherungen oder Pensionskassen. Das in Frankfurt ansässige Emissionshaus Habona Invest plant jedoch ebenfalls, zeitnah einen Kita-Fonds aufzulegen, der dann auch Privatanlegern offenstehen soll. Geplant ist ein Fondsvolumen von rund 30 Millionen Euro, mit dem in zehn bis 15 Objekte investiert werden soll. Die Kita-Fonds stellen den Anlegern eine jährliche Rendite von rund sechs bis sieben Prozent in Aussicht. Doch wie erwirtschaften die Kita-Fonds die dafür notwendigen Erträge überhaupt? Die Fonds erzielen Einnahmen einerseits durch die Vermietung der Immobilien an die Träger der Kindertagesstätten und zum anderen durch den Wiederverkauf der Immobilien am Ende der Laufzeit. Jetzt Angebot anfordern

Risiko beim Wiederverkauf der Immobilie

Der kritische Anleger muss sich an dieser Stelle natürlich fragen, wie sicher diese Einnahmen sind. "Immobilieninvestments unterliegen in der Regel zwei Hauptrisiken. Zum einen der Bonität des Mieters – also dass er seine Miete zahlen kann – und zum anderen dem Wiederverkaufserlös am Ende der Laufzeit", erklärt Markus Oberg von der unabhängigen Vermögensberatungsgesellschaft ECK & OBERG. Hinsichtlich der Mieteinnahmen scheinen die Anleger bei Kita-Fonds auf der sicheren Seite zu sein. Denn die Mietverträge werden langfristig abgeschlossen, und Kommunen und Kirchen als Träger der Kindertagesstätten sind zudem vergleichsweise zuverlässige Mieter, bei denen kaum die Gefahr von Mietausfällen bestehen wird. Problematischer ist die Situation hingegen, was den späteren Verkauf der Immobilie angeht. Anlageexperte Markus Oberg verdeutlicht das Problem: "Bei Kita-Fonds liegt das Hauptrisiko bei der Veräußerung des Gebäudes am Ende der Laufzeit. Die Drittverwendung ist oft nicht gegeben. Wenn also der Mieter (der Kindergarten) am Ende der Laufzeit auszieht, kann ein anderer Mieter mit dem Gebäude nichts anfangen, ohne es abzureißen oder aufwendig umzubauen."

Anleger wird zum Mitgesellschafter

Da es sich bei den Kita-Fonds um geschlossene Fonds handelt, wird der Anleger zum Mitgesellschafter. "Er trägt das unternehmerische Risiko der Investition mit und haftet in Höhe seiner Einlage", so Eric Romba. Die negativen Konsequenzen dieser Mithaftung haben zuletzt tausende Anleger von Schiffsfonds leidvoll erfahren müssen. Allerdings muss man auch festhalten, dass die finanzielle Schieflage der Schiffsfonds in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass im Vergleich zur Nachfrage ein Überangebot an Schiffen besteht. Dies ist bei Kindertagesstätten zweifelsohne – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – keineswegs der Fall. Vielmehr ist es durchaus positiv zu bewerten, dass die Kita-Fonds das Geld der Anleger dorthin leiten, wo derzeit aus gesellschaftlicher Sicht ein akuter Bedarf an finanziellen Mitteln besteht.

Risikobereitschaft muss vorhanden sein

Dennoch muss man festhalten, dass die Kita-Fonds aufgrund ihres Risikoprofils sicherlich nicht für jeden Anlegertyp geeignet sind. "Grundsätzlich sind geschlossene Fonds für Anleger geeignet, die ihre persönlichen Risiken bereits abgesichert haben, über ausreichend Liquidität verfügen und bereits ein breit gestreutes Portfolio von Investments mit unterschiedlichen Laufzeiten und Risiken haben", empfiehlt Eric Romba. Außerdem müssen sich Anleger, die sich für Kita-Fonds interessieren, auch darüber im Klaren sein, dass das investierte Kapital langfristig gebunden ist. Denn anders als bei offenen Fonds werden die Anteile an geschlossenen Fonds weder an der Börse gehandelt, noch können sie an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden. Der Anleger müsste daher selbst einen Käufer für seine Anteile suchen, falls er vor Ende der Laufzeit an sein Geld herankommen will.

20.01.2017

Nach Oben
Modell-Foto: colourbox.com