Geld-Zitate auf dem Prüfstand Weisheit oder Wahrheit?

In so manchem Zitat steckt viel Wahrheit – auch (oder gerade?) rund um das Thema Geld. Aber welche Zitate helfen Ihnen dabei, mit Ihrem Geld besser klarzukommen? Und welche nicht? Weisheit oder Wahrheit? Wir haben die bekanntesten Geld-Zitate für Sie einmal auf eine harte Probe gestellt.

Das Geld ist leider die Sache, für die man im Leben am meisten bezahlen muss. (Juliette Gréco)

Sie hatte Recht, die Juliette Gréco. Das Beispiel eines ganz alltäglichen Konsumentenkredites zeigt es am besten. Sie wollen sich ein neues Sofa für 3.000 Euro kaufen, das Sie von Ihrer Bank finanzieren lassen wollen. In 48 Monatsraten wollen Sie den Kredit zurückzahlen und haben dafür bei einem Zins von 6,5 Prozent eine Rate von rund 70 Euro. Damit zahlen Sie für das Sofa einen Aufschlag von 360 Euro, denn so hoch sind die aufgelaufenen Zinsen. Und dieser Aufschlag wird natürlich höher, je größer die Kreditsumme ist. Bei einem Auto für 20.000 Euro zahlen Sie bei gleichen Konditionen schon 2.700 Euro Zinsgeld, bei einer Immobilie für 250.000 Euro sind es bei fünf Prozent Zinsen und einem Prozent Tilgung sogar 289.000 Euro über knapp 40 Jahre!

Zinsen kappen!

Verringern Sie fällige Zinszahlungen, wo immer es geht. Zum einen können Sie das durch konsequente Zinsvergleiche erreichen, zum Beispiel für einen Ratenkredit oder eine Immobilienfinanzierung. Zum anderen können Sie die Raten immer so hoch wie gerade möglich ansetzen, damit Sie den Kredit oder das Darlehen schneller zurückzahlen – so verringern Sie die fälligen Zinsen. Lassen Sie sich außerdem immer das Recht einräumen, sogenannte Sondertilgungen vorzunehmen. Dann können Sie jederzeit auf einen Schlag einen Teil des Kredites ganz zurückzahlen, wenn Sie das Geld plötzlich (zum Beispiel durch eine Sonderzahlung im Job oder eine Erbschaft) zur Verfügung haben.

Wer sich nach den Tipps von Brokern richtet, kann auch einen Friseur fragen, ob er einen neuen Haarschnitt empfiehlt. (Warren Buffett)

Welche Weisheit, welche Wahrheit! Es ist das gleiche Spiel seit Jahrzehnten: Solange Anlageberater (oder solche, die sich so nennen) uns gute Tipps geben, nehmen wir sie gerne wie selbstverständlich an, und niemand von uns würde sagen: "Ich habe 10.000 Euro an der Börse gewonnen, weil mein Berater mir einen guten Tipp gegeben hat!" Sobald aber einer dieser Tipps nicht das hält, was er verspricht, ist das Geschrei groß, und es heißt: "Ich habe 10.000 Euro an der Börse verloren, weil mein Anlageberater mir den falschen Tipp gegeben hat!" Der Grund für dieses Verhalten ist ganz offensichtlich: Wir können offensichtlich keine Verantwortung für das übernehmen, was wir mit unserem Geld tagein-tagaus tun. Wir brauchen immer jemanden, auf dessen Rat wir hören können und den wir verantwortlich machen können, wenn es nicht gut läuft.

Übernehmen Sie Geld-Verantwortung

Stehen Sie zu Ihren Erfolgen und zu Ihren Rückschlägen, und betrachten Sie beides als Lernprozess, der Ihnen bei der Weiterentwicklung Ihrer Geld-Fähigkeiten hilft. Wenn Sie diese Verantwortung einmal übernommen haben, dann sind Sie in Zukunft nicht mehr auf die "guten Tipps" anderer angewiesen. Sie haben Ihren wirtschaftlichen Erfolg selbst in der Hand.

Geld stinkt nicht! (Kaiser Vespasian)

Warum wird es dann so konsequent als Thema in Familien gemieden? Eigentlich gehört Geld als Thema genauso offen auf den Tisch wie alle anderen Themen, die uns im täglichen Miteinander bewegen. Und eigentlich gehört Geld als Thema auf die Lehrpläne der Schulen. Denn während wir in Stochastik zwar ausrechnen, wie wahrscheinlich ein Lottogewinn ist, hilft uns niemand dabei nachzurechnen, wie sinnvoll private Altersvorsorge ist. Stattdessen gilt der alte Spruch: Über Geld redet man nicht – und das hat schlimme Konsequenzen für den eigenen Nachwuchs. Denn wenn das Thema Geld immer ferngehalten wird, dann bekommen Kinder kaum die Chance, frühzeitig das zu lernen, was Sie im Leben nun einmal können müssen, nämlich mit Geld umzugehen.

Machen Sie Geld (in Maßen) zum Familienthema

Erläutern Sie Ihren Kindern, was es mit Darlehen, Kreditkarten, Zinsen und anderen "Bankdingen" auf sich hat. Nehmen Sie Ihr Kind ruhig einmal mit zum Bankgespräch, und beziehen Sie Ihre Kinder in Geld-Entscheidungen (zum Beispiel beim Einkaufen oder bei Anschaffungen) mit ein. So führen Sie Ihr Kind behutsam an das Thema Geld heran.

Geld gleicht dem Dünger, der wertlos ist, wenn man ihn nicht ausbreitet. (Francis Bacon)

Eine Wahrheit, die sich vor allem die Geiz-ist-geil-Fraktion merken sollte. Denn Geiz ist gefährlich, wie die existenzielle Erkenntnis von Francis Bacon zeigt, die uns alle betrifft. Und sie ist vor allem der eindeutige Beweis dafür, dass es kaum eine sinnlosere Parole als "Geiz ist geil" gibt: Denn wir alle tragen mit unserem Konsum unseren Teil dazu bei, dass die Wirtschaft wächst, die Arbeitsplätze sicher und damit auch unsere Wohlstandsgrundlage befestigt wird. Wenn wir alle buchstäblich "auf unserem Geld sitzen", dann sägen wir zugleich an dem Wohlstands-Ast, auf dem wir sitzen. Denn ohne Konsum geht unsere Wirtschaft jämmerlich ein – und damit auch der Wohlstand in unserem Land.

Sparen: Ja, aber ...

Es ist sinnvoll, Geld für die Rente zurückzulegen. Aber noch sinnvoller ist es, dass wir schon heute unseren Teil dazu beitragen, dass es uns und anderen gut geht. Schieben Sie nicht alle notwendigen Konsumentscheidungen auf, wenn Sie sie sich auch heute leisten könnten. Denn wir sichern uns nicht ab, indem wir immer mehr Geld auf die hohe Kante legen. Ganz im Gegenteil: Wir entziehen dem Wirtschaftskreislauf immer mehr Mittel, die er braucht, um in Gang zu bleiben.

Manchmal ist es besser, eine Stunde über sein Geld nachzudenken, als eine Woche dafür zu arbeiten. (Andre Kostolany)

Natürlich werden Sie (zumindest bei einem konventionellen Beruf) nicht reich vom Nachdenken. Aber ein wöchentlicher oder monatlicher "money moment" kann Sie finanziell tatsächlich weiter nach vorne bringen, als es harte Arbeit tun kann. Glauben Sie nicht? Es gibt aber genug Beispiele dafür! Stellen Sie sich vor, Sie machen sich abends nach Feierabend mal eine Stunde Gedanken darüber, wie Sie den Produktionsprozess in Ihrer Firma effizienter gestalten können. Mit einer zündenden Idee lässt sich in vielen Firmen eine satte Prämie verdienen. Oder Sie nehmen sich einfach mal eine Stunde Zeit, um über eine berufliche Umorientierung nachzudenken. Schon so manche zündende Geschäftsidee ist so entstanden.

Denken Sie einmal über Geld nach ...

Und auch etwas bodenständiger lässt sich mit dem "money moment" Geld verdienen. Setzen Sie sich doch einfach mal hin, und checken Sie Stück für Stück Ihre privaten Finanzen. Sie werden überrascht sein, wie viel sich sparen lässt, wenn Sie zum Beispiel einmal Ihren Versicherungsordner durchforsten. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Geld, Ihren privaten Finanzen, Ihrer beruflichen Situation, und gehen Sie den Dingen einmal "auf den Grund". Und egal, ob zündende Idee oder simples Aufräumen und Ausmisten: Leichter lässt sich Geld nicht verdienen und behalten.

Du kannst über Liebe so romantisch denken wie du willst; aber du sollst nicht romantisch sein, wenn es ums Geld geht. (George Bernard Shaw)

Geld ist nichts für Bauchmenschen. Um Ihr Geld erfolgreich und sicher zu verwalten, brauchen Sie einen klaren Kopf und sonst nichts – und vor allem keine Romantik. Treffen Sie niemals emotionale Geld-Entscheidungen. Leasen Sie kein Auto, weil es Ihnen so gut gefällt und es so schön einfach und (scheinbar) günstig ist. Schließen Sie keine Versicherungen ab, weil der Vertreter so nett war und Ihnen gleich gezeigt hat, wo Sie unterschreiben müssen. Und treffen Sie niemals Geldanlage-Entscheidungen, weil Ihr Bauchgefühl so gut war. Solche Geld-Duseleien bereuen Sie zu 98 Prozent, weil sich die Entscheidungen im Nachhinein als nicht haltbar herausstellen. Und auch in der Partnerschaft hat Romantik nichts zu suchen – wenn es um Geld geht. Treffen Sie mit Ihrem Partner immer klare Entscheidungen, wenn es um die Finanzen geht. Offene Absprachen sind immer besser als heimliche Enttäuschungen.

Beherzigen Sie die "Notar-Regel"!

Halten Sie sich bei allen Geld-Entscheidungen an die Notar-Regel. Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, ohne ihn sich vorher einmal komplett laut vorgelesen zu haben – so wie es beim Notar gemacht wird, wenn Sie sich eine Immobilie kaufen. Das laute Vorlesen führt dazu, sich Gedanken zu machen um das, was man dort unterschreiben muss. Und es führt zwangsläufig dazu, dass Sie den Vertrag (und damit die Entscheidung) hinterfragen.

Geld ist wie eine schöne Frau: Wenn man es nicht richtig behandelt, läuft es einem weg. (Jean Paul Getty)

Oder besser gesagt: Es zerrinnt einem zwischen den Fingern. Wussten Sie, dass viele Versicherer ihre im Januar fälligen Jahresrechnungen bereits im Oktober vorher verschicken, weil sie befürchten, dass sonst vom Weihnachtsgeld nichts mehr übrig ist? Der Grund: Viele von uns haben diese einmaligen Rechnungen schlichtweg nicht auf der Rechnung, obwohl bezeichnenderweise niemand sein Weihnachtsgeld vergessen würde. Und so stürzen diese Rechnungen viele von uns in eine (zumindest kleine) finanzielle Krise, die oft nur mithilfe des Dispos ausgeglichen werden kann. Dabei lassen sich solche misslichen Situationen leicht verhindern: zum Beispiel mit einem Rücklagenkonto. Auf das zahlen Sie jeden Monat ein Zwölftel des Betrags, der im Laufe des Jahres für die einmaligen, halbjährlichen oder quartalsweise auflaufenden Rechnungen fällig wird. Und wenn die Rechnungen dann nach und nach im Laufe des Jahres eintrudeln, bezahlen Sie sie einfach vom Rücklagenkonto.

"Hausgemachte" Probleme vermeiden

Die meisten Geld-Probleme haben wenig mit schlechter Konjunktur oder der allgemein schlechten Lage zu tun. Die Mehrzahl der Probleme ist "hausgemacht" durch Unachtsamkeit, schlechte Geld-Organisation und fehlende Kostenkontrolle. Denken Sie deshalb immer daran: Geld-Organisation kann man lernen, und Probleme lassen sich oft ganz einfach "wegorganisieren" – siehe das Rücklagenkonto.

Sparmaßnahmen muss man dann ergreifen, wenn man viel Geld verdient. Sobald man in den roten Zahlen ist, ist es zu spät. (Jean Paul Getty)

Würden mehr Menschen diesen Rat beherzigen, hätten viele von uns wahrscheinlich erheblich weniger Probleme mit ihren Finanzen. Aber tatsächlich ist es so, dass überflüssige Kosten, teure Ausgaben und sinnlose Verschwenderei immer erst dann auf den Prüfstand und die Streichliste kommen, wenn es finanziell einmal nicht so gut läuft. Dann aber ist es oft zu spät, um reagieren zu können. Denn um teure Verträge zu kündigen (das gilt beim Handy wie bei Versicherungen und vielen anderen "Geldfressern"), müssen Sie sich an Kündigungsfristen halten. Und den Geld-Schlendrian – mit unnötigen Ausgaben zum Beispiel im täglichen Leben – treibt man am effektivsten aus, wenn man ihn in finanziell guten Zeiten bekämpft. Denn wenn wir in einer finanziell schwierigen Lage stecken, ist es erheblich schwerer, auf Frustkäufe zu verzichten.

Kontrolle ist gut ...

Finanziellen Erfolg sichern Sie sich am ehesten durch eine genaue Kontrolle Ihrer Finanzen. Führen Sie Buch über alle Einnahmen und Ausgaben, planen Sie Anschaffungen oder das Taschengeld für alle Familienmitglieder langfristig, und halten Sie sich an Ihre Planungen. Nur wenn Sie Ihr Geld so im Griff haben, können Sie in schwierigen Zeiten sofort reagieren, wenn Sie sparen müssen. Denn sparen können Sie nur, wenn Sie wissen, wofür Sie Ihr Geld ausgeben!

05.01.2017

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Modell-Foto: colourbox.com