Enttarnen Sie die Tricks Vorsicht, unseriöse Berater!

In Gesprächen mit den Verkaufsprofis der Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister sind wir als Verbraucher fast immer hoffnungslos überfordert. Denn uns gegenüber sitzt ein Verkäufer, der uns im besten Fall auch beraten, vor allem aber Geld an und mit uns verdienen will.
Seien Sie deshalb nicht zu arglos, und nutzen Sie diesen Artikel als Checkliste, wenn Sie in ein Beratungsgespräch zu den Themen Geld und Vorsorge und Versicherungen gehen!

Auf den Hintergrund kommt es an

Niemand kann Ihnen eine passende Geldanlage, Versicherung oder Vorsorge-Lösung verkaufen, wenn er Ihre persönliche Situation, Ihre finanziellen Ziele und Ihre Wünsche nicht kennt. Denn die richtige Geld-Strategie lässt sich nur festlegen, wenn Ihre individuelle Situation berücksichtigt wird. Was sollen Sie zum Beispiel mit steueroptimierten Geldanlagen, wenn Ihr steuerlicher Freibetrag nicht einmal ausgeschöpft ist?

Tipp: Ihre Wünsche protokollieren lassen

Bestehen Sie darauf, dass im Beratungsgespräch protokolliert wird, was Sie eigentlich wollen. Schildern Sie, welche Vorstellungen und welches Sicherheitsbedürfnis Sie haben, welche Ziele oder welche Rendite Sie anstreben. Auf dieser Grundlage soll das Beratungsgespräch stattfinden. So gehen Sie sicher, dass Ihre Vorstellungen berücksichtigt werden und der Verkäufer sich auch nicht damit herausreden kann, Sie hätten etwas ganz anderes gewollt.

Beratungskosten erläutern lassen

Egal, ob Sie sich bei einem klassischen Vertreter oder bei einem Honorarberater informieren und dort abschließen: Die Kosten für die Beratung und die Provisionen für die abgeschlossenen Verträge sollten immer vor Vertragsabschluss offengelegt werden, damit Sie wissen, was der Vertrag Sie kosten wird.

Tipp: Reden Sie über Geld 

In Vorsorgeverträgen werden die Kosten meist ausgewiesen. Lassen Sie sich explizit die Summen nennen oder zeigen. Die Unterschiede bei den Abschlusskosten können immens sein. Oft ist es auch eine Option, über eine Honorarberatung nachzudenken. Sie zahlen dann für die Beratung und bekommen entweder einen Vertrag ohne Abschlusskosten oder erhalten diese erstattet. 

Aufklären lassen

Wenn Fragen für Verkäufer heikel werden, flüchten sie sich gerne ins Schwadronieren. Da wird dann mit sinnlosem Börsen-Latein um sich geworfen oder mit Fachtermini aus der Versicherungsbranche, sodass kein normaler Mensch mehr folgen kann. Auf Nachfrage kommt dann oft die Antwort, dass man im Einzelnen ja nicht verstehen müsse, worum es ginge, oder der Verkäufer stellt (sehr beliebt) eine Gegenfrage – Tatsache ist leider: Der Verkäufer weiß oft selbst nicht, worüber er spricht.

Tipp: Klartext einfordern

Gute Berater haben es nicht nötig, mit Fachbegriffen um sich zu werfen, sie sind in der Lage, geduldig zuzuhören, Ihre Fragen zu beantworten und offene Punkte so lange zu erklären, bis Sie sie verstanden haben. Ein seriöser Berater geht offen mit Ihnen um, und er erklärt klipp und klar, wenn er Ihnen mangels Fachwissen nicht weiterhelfen kann. Im Idealfall verweist er Sie bei offenen Punkten an einen Kollegen oder reicht Ihnen die gewünschten Informationen nach.
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Klare Zusagen einfordern

Ein wirklich guter Berater macht keine Versprechen, die er nicht halten kann – ganz im Gegenteil: Ein guter Berater lässt sich auf seine Zusagen festnageln und bestätigt Ihnen schriftlich, was Sie vom verkauften Produkt erwarten können. Er zeigt Ihnen die Möglichkeiten, Chancen und natürlich auch die Risiken einer Geldanlage auf und fixiert das Gesagte schriftlich.

Tipp: Lassen Sie sich niemals mit vagen Versprechen abspeisen

Nur schriftliche Zusagen sind bindend, denn nur mit einer schriftlichen Bestätigung wird für Sie aus einem unverbindlichen Werbeversprechen eine verbindliche Zusage.

Zahlenwerk nachprüfen

Wenn Verkäufer von Finanzdiensten den Taschenrechner herausholen, wird es oft abenteuerlich. Denn 1 + 1 ist dann selten 2, vielmehr kommt ein Wert irgendwo zwischen 0 und 10 heraus. In vielen Beratungsgesprächen werden Renditen errechnet, Zinsen in den Raum geworfen und Gewinne versprochen, die niemals möglich sein werden.

Tipp: Nachrechnen. Immer!

Rechnen Sie versprochene Renditen deshalb selbst nach, und konfrontieren Sie den Berater mit den ggf. abweichenden Ergebnissen. Wenn jemand Sie bei solchen Offensichtlichkeiten anlügt, wie wollen Sie dann sicherstellen, dass er Sie bei anderen Punkten richtig berät?

Checken Sie Ihren Berater und sein Angebot!

Je mehr der folgenden Punkte auf ein Angebot zutreffen, das Ihnen unterbreitet wurde, desto vorsichtiger sollten Sie sein.

Der Erstkontakt wurde telefonisch hergestellt +

Am Telefon investiert man kein Geld, selbst wenn angeblich Freunde oder Verwandte als Referenz genannt werden. Kein seriöser Anbieter von Finanzdienstleistungen wird unaufgefordert telefonisch Kontakt mit Ihnen aufnehmen.

Die versprochene Rendite liegt weit über der marktüblichen +

Niemand hat etwas zu verschenken – auch Finanzdienstleister nicht. Deshalb kann Ihnen auch niemand mehr Rendite versprechen, als auf dem Markt üblicherweise zu bekommen ist. Festverzinsliche Papiere werfen keine acht Prozent Rendite ab, und Immobilien befinden sich niemals im zweistelligen Renditebereich. Renditen von zehn Prozent und mehr im Jahr sind nur mit hochspekulativen Anlageformen erzielbar, bei denen Sie jederzeit mit einem Teil- oder Totalverlust des Anlagebetrages rechnen müssen.

Der Anbieter bleibt unklar +

Lassen Sie sich erklären, mit wem Sie es zu tun haben. Finanzberater kann sich jeder nennen, Vermögensberater auch. Lassen Sie sich Referenzen geben, damit Sie wissen, wem Sie Ihr Geld anvertrauen. Vertrauen Sie nicht auf Werbeprospekte – Papier ist geduldig, und oft sind Hochglanzprospekte nur Blendwerk.

Der Geschäftssitz ist exotisch +

Unseriöse Anbieter lassen sich mit Vorliebe an exotischen Plätzen nieder, denn dort lassen sich die (Briefkasten-) Firmen schwer verklagen, und die Verantwortlichen sind nicht greifbar.

Man lässt Ihnen keine Zeit +

Anlageentscheidungen sollten immer in Ruhe überlegt werden. Schlafen Sie eine Nacht darüber – seriöse Anbieter räumen Ihnen Bedenkzeit ein. Unseriöse Anbieter hingegen haben diese Zeit oft nicht, denn sie sind ständig auf dem Sprung und müssen möglichst viel Geld in möglichst wenig Zeit verdienen.

Sie sollen blind investieren +

Gerade bei Immobilien wird versucht, Sie zu einem Kauf ohne Besichtigung zu animieren. Warum? Weil das Objekt entweder in schlechtem Zustand ist oder schlecht liegt – oder beides zusammen. Bestehen Sie auf einer Besichtigung, ist das nicht möglich, sind wahrscheinlich Betrüger am Werk.

Sie sollen "Steuern sparen" +

Lassen Sie sich nicht mit einem Augenzwinkern und einem Seitenhieb gegen das Finanzamt zu Steuerbetrügereien verleiten. Denn zum einen ist das strafbar, und zum anderen werden Sie erpressbar. Außerdem ist die Gefahr groß, dass Sie nicht nur Kapital verlieren bei dieser unseriösen Geldanlage, sondern auch noch Steuern und Zinsen nachzahlen müssen.

Es gibt keine Unterlagen +

Jede Finanzberatung sollte mit einem schriftlichen Protokoll abschließen, das der Berater anfertigt. Nur so haben Sie eine Chance, eine eventuelle Falschberatung nachzuweisen. Seriöse Banker dürften deshalb gegen ein schriftliches Protokoll nichts einzuwenden haben. Renditeversprechen sollten Sie ebenfalls immer schriftlich verlangen. Lassen Sie sich nicht mit "Möglichkeiten" abspeisen, sondern verlangen Sie zwingende Aussagen.

Die Unterlagen sind zweideutig +

Wer Ihnen gegenüber nichts zu verbergen hat, kann seine Geschäftsunterlagen klar und unzweideutig formulieren. Wer Sie hingegen täuschen will, der wird immer versuchen, die für Sie nachteiligen Fakten mit vagen und interpretierbaren Formulierungen zu verschleiern, sodass am Ende "alles und nichts" im Vertrag steht.

21.12.2016

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Modell-Foto: colourbox.com