Aktien und Abgeltungssteuer Was Aktionäre wissen müssen

Für Aktionäre hat sich mit der Einführung der Abgeltungssteuer einiges geändert. Galten früher Steuerprivilegien, sind die heute verschwunden. Aktiengewinne werden wie Kapitalerträge besteuert. Und bei Verlusten gelten schärfere Regeln.

Dividenden werden voll besteuert

Nach dem alten Recht wurden Dividenden nur zu 50 Prozent mit dem individuellen Steuersatz besteuert. Auf 100 Euro Dividenden entfielen bei einem individuellen Steuersatz von 35 Prozent also 17,50 Euro Steuern. Damit ist in Zukunft Schluss: Auf 100 Euro Dividende werden 25 Euro Abgeltungssteuer fällig. Nur bei einem individuellen Steuersatz von weniger als 25 Prozent (vor allem für Rentner interessant) besteht die Möglichkeit, die Dividende entsprechend geringer besteuern zu lassen.

Allerdings wird auch dann immer die volle Dividende bei der Berechnung der Abgeltungssteuer oder der individuellen Steuer angerechnet. Ein weiterer negativer Punkt: Alle Aufwendungen im Zusammenhang mit Dividenden (zum beispiel die Fahrtkosten zu den Hauptversammlungen, aber auch Zinsen für den Kauf der Aktien bei einer Finanzierung) sind nicht mehr steuerlich absetzbar.

Verkaufsgewinne sind immer steuerpflichtig

Nach dem früher geltenden Recht hatten Aktionäre gut lachen, wenn sie die Aktien länger als zwölf Monate gehalten hatten. Denn dann war die Spekulationsfrist vorbei, und der Gewinn floss steuerfrei in die Tasche der Anleger. Mit der Abgeltungssteuer spielt die Zwölf-Monats-Frist absolut keine Rolle mehr. Die Gewinne aus dem Verkauf von Aktien unterfallen immer zu 25 Prozent der Abgeltungssteuer.

Auch hier gilt: Nur bei einem individuellen Steuersatz von weniger als 25 Prozent wird die Steuerbelastung etwas geringer. Diese Neuregelung gilt natürlich nur für Aktien, die nach dem 01.01.2009 gekauft wurden. Bei "Altaktien" gilt weiterhin die bisherige Regelung, und die Gewinne sind innerhalb der Zwölf-Monatsfrist nach dem Halbeinkünfteverfahren steuerpflichtig, wenn sie oberhalb der neuen Grenze für die Spekulationsgewinne von 600 Euro liegen. Nach Ablauf der Zwölf-Monatsfrist sind die Gewinne steuerfrei, die Dividenden müssen allerdings unabhängig vom Kaufdatum jedes Jahr immer voll versteuert werden.

Gewinn- und Verlustverrechnung

Grundsätzlich eröffnet die Abgeltungssteuer neue Möglichkeiten, aktuelle Gewinne mit Verlusten zu verrechnen. Wenn Sie Fondsanteile verkaufen, die in die roten Zahlen gerutscht sind, mindert der Verlust entsprechend die Zinseinkünfte. Bei Aktien aber gilt eine Ausnahme: Verluste aus Spekulationsgeschäften mit Aktien können Sie nur mit Aktiengewinnen verrechnen und nicht etwa mit Zinserträgen oder ausgezahlten Dividenden. Die Bundesregierung hat diese Regelung eingeführt, um Steuereinbrüche nach schlechten Börsenzeiten zu vermeiden. Umgekehrt gilt aber: Gewinne aus dem Aktienverkauf können Sie in vollem Umfang mit anderen Verlusten (zum Beispiel aus dem Verkauf von Fondsanteilen) verrechnen.

05.01.2017

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Modell-Foto: colourbox.com