Abgeltungssteuer Regeln für Fondssparer

Wie genau wirkt sich die Abgeltungssteuer aus, wenn ich mit Investmentfonds spare? Diese Frage stellen sich viele Menschen in Deutschland, denn Fonds sind nach wie vor ein beliebtes Investment-Vehikel. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema finden Sie hier zusammengefasst.

Werden Verluste bei der Abgeltungssteuer berücksichtigt?

Grundsätzlich fallen Verluste nicht unter den Tisch. Wenn Sie Fondsanteile mit Gewinn verkaufen und andere Fondsanteile mit einem höheren Verlust zurückgeben, bleibt Ihnen der negative Saldo erhalten. Sie können ihn nutzen, um andere Gewinne steuerfrei zu stellen – und zwar auch in Folgejahren. Die einzige Ausnahme: Aktienverluste können nur mit Aktiengewinnen desselben oder eines der Folgejahre ausgeglichen werden.

Beispiel: Sie verkaufen im Jahr 2017 Fonds A mit 2.000 Euro Gewinn und Fonds B mit 3.000 Euro Verlust. Die Differenz von 1.000 Euro wandert in den sogenannten Verlustverrechnungstopf Ihrer Bank, mit dem Sie andere Gewinne steuerfrei stellen können. Wenn Sie aber Fond A mit 2.000 Euro Gewinn verkaufen und gleichzeitig die Aktie C mit 3.000 Euro Verlust, können Sie die 1.000 Euro Differenz nicht in den Verlustverrechnungstopf buchen. Sie müssen erst warten, bis Sie weitere Aktien mit Gewinn verkaufen, um die 3.000 Euro Verlust auszugleichen.

Was ist bei thesaurierenden Fonds zu beachten?

Bei thesaurierenden Fonds sind vor allem die laufenden Erträge durch Dividenden kritisch. Denn die werden bereits während der Laufzeit abgeführt – entweder bei Inlandsfonds durch die Fondsgesellschaft oder bei Auslandsfonds durch Sie selbst in der Steuererklärung. Bei einem Verkauf müssen aber diese bereits versteuerten Erträge vom steuerpflichtigen Rückgabegewinn abgezogen werden, damit es nicht zu einer Doppelbesteuerung kommt.

Beispiel: Ein Sparer legt 10.000 Euro in einem Aktienfonds an und kassiert während der Laufzeit von 2015 bis 2017 insgesamt 1.200 Euro Dividenden, die wieder angelegt werden. Diese Dividenden werden über die Steuererklärung (Auslandsfonds) oder über die Fondsgesellschaft (Inlandsfonds) mit 25 Prozent besteuert. Wenn die Fondsanteile beim Verkauf 16.000 Euro wert sind, müssen nur noch 4.800 Euro mit 25 Prozent Abgeltungssteuer belegt werden, denn auf die 1.200 Euro Dividenden haben Sie ja bereits Abgeltungssteuer bezahlt. Kürzen Sie also entsprechend den Rückgabegewinn in der entsprechenden Steuererklärung 2017.
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Was ist, wenn ich 2017 Anteile eines Fondssparplans verkaufe, den ich seit 2005 bespare?

Grundsätzlich gilt: Die Wertsteigerung aller Anteile, die Sie vor 2009 gekauft haben, bleibt steuerfrei – wie auch alle anderen Wertpapierkäufe steuerfrei bleiben, wenn die Haltefrist eingehalten wurde. Der Sparplan insgesamt bleibt jedoch nicht steuerfrei, auch wenn er vor dem 01.01.2009 abgeschlossen wurde. Das heißt: Alle Anteile, die Sie nach dem 01.01.2009 gekauft haben, werden bei einem Verkauf mit 25 Prozent Abgeltungssteuer belegt.

Ein Beispiel: Sie kaufen zwischen 2005 und 2008 500 Anteile des Investmentfonds A und von 2009 bis 2017 noch einmal 800 Anteile. Der Verkauf der 500 Anteile bleibt steuerfrei, wenn Sie sie ein Jahr gehalten haben. Beim Verkauf der 800 Anteile müssen Sie jedoch Abgeltungssteuer auf diese 800 Anteile bezahlen. Ab 2009 werden zudem für die Dividenden aus allen 1.300 Anteilen 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig. Eine Besonderheit: Verkaufen Sie 2017 nur 650 der 1.300 Anteile, gilt das Prinzip: First in – first out! Das heißt: Sie verkaufen zunächst die 500 steuerfreien Anteile und müssen nur auf die weiteren 150 Anteile Abgeltungssteuer zahlen.

Machen Dachfonds Sinn?

Steuerlich schon, denn der Dachfonds kann seine Investments in verschiedene Aktienfonds umschichten, ohne dass darauf Abgeltungssteuern anfallen. Ihr Vorteil ist der Zinseszinseffekt, weil nicht bei jeder Umschichtung und Gewinnmitnahme die Gewinne mit der Abgeltungssteuer belastet werden.

Beispiel: Über einen Zeitraum von zehn Jahren investieren Sie 10.000 Euro in drei verschiedene Aktienfonds. Jeder Fonds macht in seinem Zeitraum 10 Prozent Gewinn, das gewonnene Kapital wird immer wieder investiert. Bei einem Dachfonds werden die Abgeltungssteuern erst am Ende der zehn Jahre fällig, als Einzelanleger müssen Sie bei jedem Verkauf sofort die 25 Prozent Abgeltungssteuer zahlen. Der Unterschied am Ende: Der Dachfonds hat 0,5 Prozent mehr Rendite erwirtschaftet. Noch besser steht der Dachfonds da, wenn er vor 2009 erworben wurde: Denn dann kann der Gewinn aus dem Dachfonds komplett steuerfrei eingesteckt werden. Im Beispielfall würde das die Rendite des Dachfonds um rund 4,7 Prozent besser dastehen lassen als die des Einzelinvestors, der zumindest beim zweiten und dritten Verkauf Abgeltungssteuer zahlen müsste. Das gilt allerdings vor Abzug der Kosten, und hier kann der Dachfonds durchaus schlechter abschneiden, weil die Kostenstruktur unübersichtlicher ist.

15.01.2017

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Modell-Foto: colourbox.com