Sterbegeldversicherungen
Finger weg – oder doch abschließen?
Sterbegeldversicherungen verkaufen vor allem Wünsche: Zum einen nämlich den Wunsch, eine würdevolle Beerdigung nach den eigenen Vorstellungen zu haben, mit der man niemanden finanziell zur Last fällt. Und zum anderen den Wunsch, auf dem letzten Weg nicht von anderen abhängig zu sein.
Kein Wunder also, dass die Policen sich gut verkaufen. Und Verkäufer forcieren den Verkauf, indem sie Horror-Szenarien entwerfen: Sie sterben, werden möglichst kostengünstig von der "bösen Familie" unter die Erde gebracht, oder die Angehörigen beerdigen Sie würdevoll und bleiben dann auf den – meist nicht gerade geringen – Kosten sitzen. So oder so: Sterbegeldversicherungen können dafür sorgen, dass Geld bei der Beerdigung nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Theorie und Praxis
Tatsache ist:
Beerdigungen schlagen heute fast immer mit einem vierstelligen Betrag zu Buche, Rechnungen von 5.000 Euro und mehr sind keine Seltenheit, denn noch immer gilt: An der Beerdigung zu sparen, gehört sich nicht. Versicherungen scheinen da eine naheliegende Lösung zu sein. Allerdings sind Sterbegeldversicherungen keine klassischen Risikopolicen. Sie bestehen vielmehr aus einer Risikoabsicherung und darüber hinaus aus einem Sparvertrag. Außerdem zehren Verwaltungskosten und die Provisionen für den Vertreter an den eingezahlten Beiträgen, so dass die Kosten für die Absicherung recht hoch ausfallen.
Ein Beispiel: Ein heute 50-jähriger schließt eine Sterbegeldversicherung mit einer Versicherungssumme von 10.000 Euro ab. Nach einer Wartezeit von 36 Monaten wird im Todesfalle die volle Versicherungssumme zzgl. eventuell erwirtschafteter Überschüsse ausgezahlt. Die Kosten dafür: 32 Euro im Monat. Zum Vergleich: Bei einem günstigen Direktversicherer wie der Cosmos Direkt zahlen Sie für 10.000 Euro Risikolebensversicherungssumme rechnerisch gerade einmal 6 Euro im Monat – und sind vom ersten Tag an mit der vollen Versicherungssumme bis zum 75. Geburtstag geschützt. Wenn Sie die restlichen 26 Euro Monat für Monat sparen und sicher anlegen, haben Sie an Ihrem 75. Geburtstag rund 11.500 Euro angespart – und damit eine bessere Absicherung als mit der Sterbegeldversicherung.
Die Vorteile der Sterbegeld-Police
Wenn Sie also nur auf Euro und Cent gucken, ist die Sterbegeldversicherung nicht sehr sinnvoll. Und trotzdem hat sie Vorteile, die Sie kennen sollten. Gute Sterbegeldversicherungen wie z. B. die
Policen von Ergo nehmen Ihren Antrag ohne Gesundheitsprüfung an. Mit anderen Worten: Auch wenn Sie gesundheitlich bereits angeschlagen sind, kommen Sie zu einem Todesfallschutz, den Sie bei einer reinen Risikoversicherung niemals erhalten.
Ein weiterer Vorteil der Sterbegeldversicherung: Anders als Vermögen, das z. B. auf einem Tagesgeldkonto liegt und für eine Beerdigung bestimmt ist, sind Ansprüche aus Sterbegeldversicherungen nicht pfändbar, wenn die Versicherungssumme 3.579 Euro nicht übersteigt (Bundesgerichtshof, AZ: VII ZB 47/07). Dabei gilt: Ist die Versicherungssumme höher, sind zumindest die erwähnten 3.579 Euro sicher. Das ist vor allem von Vorteil, wenn der Inhaber einer solchen Police zum Pflegefall wird und nur ein geringes Vermögen besitzt. Das muss eingesetzt werden, um die Pflege zu zahlen (
mehr zur Pflegefallproblematik hier) – es sei denn, das Geld steckt in einer Sterbegeldversicherung.
Absicherung überprüfen
Trotz der erwähnten Vorteile kann die Sterbegeldversicherung in manchen Fällen überflüssig sein, weil bereits durch andere Versicherungsträger Leistungen bereitgestellt werden. So zahlt die Deutsche Rentenversicherung auf Antrag an den hinterbliebenen Ehepartner drei volle Monatsrenten aus, wenn der Verstorbene eine gesetzliche Rente bekommen hat. Auch im öffentlichen Dienst gibt es Sterbebeihilfen, die gesetzliche Unfallversicherung ist bei einem tödlichen Unfall gegebenenfalls einstandspflichtig, und auch betriebliche Sterbekassen sehen oft Leistungen vor. Grundsätzlich sollte vor Abschluss einer Sterbegeldversicherung immer darauf geachtet werden, ob diese Leistungen nicht schon ausreichend sind für den Ernstfall.
Das Fazit: Gute Wahl mit Einschränkungen
Grundsätzlich ist die Sterbegeldversicherung sinnvoll, wenn Sie keinen Todesfallschutz mit einer reinen Risikolebensversicherung bekommen können, aber dennoch eine Summe X für den Fall der Fälle zur Verfügung stellen wollen. Achten Sie darauf, dass die Wartezeit nicht zu lange ist – mehr als 24 Monate sollten nicht als Kulanzzeit vereinbart werden, bis die Versicherung zahlen muss. Sinnvoll kann die Police auch sein, wenn Sie sicherstellen wollen, dass auch dann Geld zur Verfügung steht, wenn Ihr Vermögen durch einen Aufenthalt im Pflegeheim stark dezimiert werden könnte. Ganz wichtig: Die Versicherung sollte möglichst langfristig abgeschlossen werden – bis zum 75. Geburtstag sollte der Vertrag auf jeden Fall laufen.