Berufsunfähigkeitsversicherung
Versicherungsbedingungen prüfen
Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann Ihnen Kopfzerbrechen bereiten: Das liegt vor allem an den Versicherungsbedingungen, deren Bedeutung für Laien nur schwer zu durchschauen sind. Die wichtigsten Versicherungsbedingungen für Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung finden Sie hier erklärt.
Verzicht auf abstrakte Verweisung
Die abstrakte Verweisung ist für Versicherer eine ganz einfache Möglichkeit, um sich aus der Verpflichtung zur Rentenzahlung zu lösen. Deshalb ist es am besten, wenn in Ihrem Vertrag auf die abstrakte Verweisung ganz verzichtet wird. Die Versicherer verklausulieren diese Verweisung in Ihrem Vertrag mit Formulierungen wie
"… ist außerstande, seinen Beruf … oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die aufgrund seiner Kenntnisse und Fähigkeiten ausgeübt werden kann und die seiner bisherigen Lebensstellung entspricht." Mit einer solchen abstrakten Verweisung hat der Versicherer die Möglichkeit, Ihnen theoretisch einen anderen Beruf zu zeigen, den Sie ausüben können, und sich damit vor der Rentenzahlung zu drücken. Ob Sie tatsächlich in dem Verweisungs-Beruf eine Anstellung finden, muss den Versicherer nicht interessieren, es reicht, dass er zeigt, dass es eine Vergleichstätigkeit gibt.
Was ist die konkrete Verweisung?
Im Gegensatz zur abstrakten Verweisung zielt die
konkrete Verweisung darauf ab, ob Sie tatsächlich einen Job ausüben, der Ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Ist das der Fall, muss der Versicherer die Rente ebenfalls nicht mehr zahlen. Am besten ist es für Sie, wenn in den Versicherungsbedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung klar definiert ist, wie viel Einkommenseinbuße Sie hinnehmen müssen, damit eine konkrete Verweisung nicht möglich ist. So können Sie vereinbaren, dass Sie die Berufsunfähigkeitsrente weiterhin erhalten, wenn Sie im neuen Job weniger als 70 % Ihres letzten Bruttoeinkommens erhalten. Damit ist klar: Bei einem Einkommensverlust von mehr als 30 % verlieren Sie Ihre Berufsunfähigkeitsrente selbst dann nicht, wenn Sie einen neuen Job antreten.
6-Monats-Prognose
In älteren Versicherungsbedingungen wurde dann von einer Berufsunfähigkeit ausgegangen, wenn der Arzt eine Berufsunfähigkeit bescheinigen konnte, die voraussichtlich dauernd – und damit mindestens 3 Jahre andauern – sollte. Neuere und für Sie vorteilhafte Versicherungsbedingungen sehen vor, dass Sie die Rente schon erhalten, wenn Sie voraussichtlich mehr als 6 Monate berufsunfähig sind. Achten Sie auf diese verbraucherfreundliche Klausel, weil Sie so schneller zu Ihrem Geld kommen!
Rentenzahlung sofort
Viele Gesellschaften sehen in den Versicherungsbedingungen für die Berufsunfähigkeitsversicherung vor, dass die Rente erst nach einem Karenzeitraum von 6 Monaten gezahlt wird. Sie erhalten also erst ab dem 7. Monat der Berufsunfähigkeit die vereinbarte Rente, so dass ein nicht unerhebliches finanzielles Loch droht. Besser ist es, wenn die Rente sofort ab Beginn der Berufsunfähigkeit und dann auch rückwirkend gezahlt wird, wenn die Feststellung der Berufsunfähigkeit länger dauert. So sichern Sie sich finanziellen Spielraum, wenn Sie berufsunfähig werden und in der Regel zahlreiche Ausgaben (z. B. für ärztliche Behandlungen, die die Kasse nicht zahlt oder Umbauten am Haus) auf Sie zukommen.
Lange Meldefristen
Niemand steht morgens auf und weiß: Jetzt bin ich berufsunfähig. Oft geht der tatsächlichen Invalidität ein langer Krankheitsprozess voraus, bevor ein Gedanke an die dauernde Berufsunfähigkeit verschwendet wird. Und für diesen Fall sind lange Meldefristen von Vorteil, die auch eine rückwirkende Zahlung erlauben – von dem Moment an, in dem bereits Berufsunfähigkeit vorlag, ohne dass der Betroffene bereits davon wusste. Ohne solche rückwirkenden Meldefristen zahlt die Versicherung erst ab dem Moment, in dem die Berufsunfähigkeit gemeldet wurde – und Ihnen geht im Falle eines Falles viel Geld verloren, weil die Rente nicht nachgezahlt wird. Aber auch bei schweren Unfällen mit Invaliditäts-Folgen sind lange Meldefristen von Vorteil, weil die Meldung an den Versicherer oft unterbleibt: Entweder haben die Angehörigen zu viel mit der Betreuung um die Ohren, oder sie wissen nichts von der Existenz einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Auch in diesem Fall sind lange Meldefristen von Vorteil!
Stundung der Versicherungsbeiträge
Wenn Sie einen Antrag auf Leistungen stellen, wird die Berufsunfähigkeitsversicherung im besten Fall Wochen bis zu einer Entscheidung brauchen – meist sind es eher Monate, manchmal sogar Jahre. Wichtig ist, dass vom Moment des Antrages an die Versicherungsbedingungen Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung eine Stundung der Beiträge vorsehen – wenn auch nur auf Antrag. Denn oft fällt nach der Lohnfortzahlung das Einkommen weg, so dass es Betroffenen schwer fällt, die Prämien zu zahlen. Und das wiederum hat zur Folge, dass die Beiträge nicht mehr gezahlt werden können und während des Antrags auf Rentenzahlung der Versicherungsschutz verloren geht. Was bei Zahlungsschwierigkeiten in der Berufsunfähigkeitsversicherung zu beachten ist,
erfahren Sie hier.
Nachversicherungsgarantie
Wenn Sie heute eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, wird die vereinbarte Rente wahrscheinlich in ein paar Jahren nicht mehr reichen. Sie werden dann mehr Geld verdienen, eine Familie haben, andere finanzielle Verpflichtungen eingegangen sein. Um dieses Risiko zu minimieren, gibt es eine
Nachversicherungsgarantie. Sie gibt Ihnen die Möglichkeit, in bestimmten Lebensphasen den Versicherungsschutz nach oben anzupassen, etwa bei der Heirat, der Geburt von Kindern oder dem Bau eines Hauses. Diese Option bietet die Anpassung in Lebenssituation, in denen typischerweise mehr Versicherungsschutz benötigt wird – allerdings ist die Anpassung eben auch nur in diesen Situationen möglich und nicht dann, wenn Sie selbst meinen, dass Sie mehr Schutz gebrauchen könnten. Achten Sie darauf, dass Ihr Vertrag eine solche Nachversicherungsgarantie enthält – ohne erneute Gesundheitsprüfung natürlich und zumindest bis zum 45.Lebensjahr.
Weltweite Gültigkeit
Achten Sie darauf, dass Sie mit Ihrem Vertrag gegen Berufsunfähigkeit weltweit geschützt sind. Noch immer sehen Verträge vor, dass der Schutz sich auf Versicherte mit Wohnsitz in Deutschland oder bestenfalls im EU-Ausland beschränkt. Ziehen Sie dann in ein anderes Land außerhalb der EU um, verlieren Sie den Versicherungsschutz. Ideal sind Verträge, die weltweit ohne Einschränkungen gelten.
Erleichterter Nachweis der Berufsunfähigkeit
Besteht die Berufsunfähigkeit wirklich zu 50 %? Sie können sich vorstellen, wie viel Streit zwischen Ihnen und der Versicherung um die Antwort auf diese Frage entbrennen kann. Denn nur bei 50 % und mehr Invalidität erhalten Sie die vereinbarte Rente, sonst nicht. Besser ist es deshalb, wenn im Versicherungsvertrag klar geregelt ist, wonach sich die Berufsunfähigkeit bemisst – und Sie nicht auf die weiche 50%-Regelung vertrauen müssen. Sinnvoll sind z. B. die Regelungen, dass eine Berufsunfähigkeit schon dann anzunehmen is, wenn Sie mehr als 6 Monate dauerhaft arbeitsunfähig sind, und dass die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente in den Versicherungsbedingungen an die Bewilligung der Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung oder an die Feststellungen der gesetzlichen Pflegeversicherung gekoppelt ist.
Gesundheitsfragen
Ihr
Gesundheitszustand entscheidet darüber, ob die Versicherung mit Ihnen eine Berufsunfähigkeitsversicherung überhaupt abschließt, oder ob Sie nur gegen Aufschlag versichert werden können. Damit dürfte klar sein, welche zentrale Bedeutung die
Gesundheitsfragen und ihre richtige Beantwortung in Ihrem Antrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Umso schlimmer, wenn die Versicherer dann Vorerkrankungen aus den letzten 10 Jahren abfragen, die niemand wirklich umfassend beantworten kann. Faire Versicherer begrenzen den Zeitraum deshalb auf 5 Jahre. Bei Vorerkrankungen können Sie auch das
Invitatio-Modell nutzen, um zu dem gewünschten Versicherungsschutz zu gelangen.
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