Rechnen Sie nach – und vertrauen Sie nicht der Bank!
Schönrechner im Kreuzverhör
Ganz ungeniert wird in der Werbung und im Beratungsgespräch heute mit Prozenten, Renditen und anderem Zahlenwerk geworben – damit versuchen die Banken und Versicherer, an Ihr Geld zu kommen. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, wenn die Zahlen richtig wären. Das aber ist oft nicht der Fall.
Baufinanzierungskünstler
Herkömmliche
Baufinanzierungen scheinen für Banken aus finanziellen oder sonstigen Gründen ein Graus zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie immer wieder neue Modelle entwickeln, die die Verkäufer dann präsentieren dürfen. Die Folge: Statt herkömmlicher Annuitätendarlehen soll der Immobilienkäufer lieber Bausparsofortdarlehen abschließen, Cap-Darlehen, Fremdwährungsdarlehen oder Kapitalversicherungen, die in die Baufinanzierung integriert werden. Tatsache ist: In 995 von 1.000 Fällen sind diese Modelle für die Kunden blanker Unsinn, werden sie die Alternativfinanzierungen teuer zu stehen kommen. Sie zahlen schlicht drauf. Das hindert Banken nicht daran, die teureren Produkte mit Vehemenz zu verkaufen. Auch die Gefährlichkeit mancher Modelle wird von den Verkäufern schlicht beiseite gewischt – wohl wissend, dass die Bank ein Pfandrecht an der Immobilie hat.
Tipp: Lassen Sie sich immer bei Baufinanzierungen die Gesamtkosten und die Risiken schriftlich bestätigen. Dann sehen Sie genau, was auf Sie zukommt – in jeder Hinsicht – und laufen nicht in
irgendwelche Fallen.
Anlageberater
Banken verkaufen gerne – und am allerliebsten die eigenen Produkte. Sie als Kunde erfahren deshalb im Beratungsgespräch manchmal gar nicht, dass es außerhalb der Bank andere Produkte gibt – die deutlich besser geeignet und vor allem deutlich rentabler sind. Bei einem Test von 3 großen Banken empfahl mir keiner der Berater den Spitzenreiter in der angefragten Fondsklasse – alle boten die deutlich schlechteren Hausprodukte an. Auf Nachfrage räumten 2 Banken ein, dass es Alternativen gibt – die 3. Bank behauptete, dass der Fonds nicht mehr zu haben sei.
Tipp: Lassen Sie sich gerne von Ihrer Bank beraten – aber vergleichen Sie die Vorschläge immer via Internet mit dem, was sonst am Markt ist.
Schweiger
Alle Wege führen nach Rom – und viele Wege zum Kauf von Fondsanteilen. Schade, dass die meisten Banken Ihnen das nicht verraten. Wenn Sie Fondsanteile kaufen wollen, rät man Ihnen in aller Regel zum Kauf beim Fondsanbieter – kein Wunder, denn der zahlt den Banken satte Provisionen. An der Börse können Sie die gleichen Fondsanteile fast immer deutlich günstiger kaufen – mit Preisabschlägen von bis zu 90 %. Ebenfalls sicher und online über Ihr Depot. Die meisten Berater verschweigen die Option, denn dann verdienen sie deutlich weniger Geld an Ihren Transaktionen – da ist Schweigen wirklich mal Gold für den Berater, aber Blech für Sie.
Renditetäuscher
8 % Rendite im Jahr, 3 % sicher, 2,25 % garantiert – die Banken und Versicherungen wissen, was Kunden suchen: Sicherheit – in der Krise noch viel mehr als früher. Und so schmeißen Verkäufer mit Zusicherungen und Prognosen um sich. Zu halten ist davon nicht viel, wie man schnell feststellt, wenn man nachrechnet. Beispiel Rentenversicherung: 2,25 % garantieren die Versicherer Ihnen, wenn Sie eine Rentenversicherung abschließen. Nicht die Welt, aber immerhin. Wenn Sie bei einem Versicherer wie Asstel 25 Jahre 1.200 Euro im Jahr einzahlen, erhalten Sie am Ende der Laufzeit eine garantierte Kapitalabfindung von 38.422 Euro. 2,25 % Zinsen sind das allerdings mitnichten, sondern 1,9 % – denn die garantierten 2,25 % gibt's nur auf den Sparanteil – also auf das Geld, was nach Abzug aller Kosten im Topf landet. Und das ist deutlich weniger als das, was Sie einzahlen.
Tipp: Auch bei Fondssparplänen "vergessen" die Banken gerne einmal, Sie darauf hinzuweisen, dass Ihre Rendite natürlich durch die Kosten geschmälert wird.