5 teure Fehler bei der Immobilienfinanzierung
Vorsicht, Hypotheken-Falle!
Eine Baufinanzierung ist mehr als nur ein Kredit oder ein Bausparvertrag: Es ist ein Lebensmodell, das genau zu Ihnen als Immobilienkäufer passen muss. Damit Ihre Finanzierung sicher und solide ist, müssen Sie die klassischen Hypotheken-Fallen umschiffen. Welche das sind, lesen Sie hier.
1. Hypotheken-Falle: Optimismus
Eine solide Finanzierung besteht aus mindestens 30 % Eigenkapital – plus Mitteln für die Extrakosten. Oft wird fehlendes Kapital durch Eigenleistungen ausgeglichen – ganz nach dem Motto: Wenn ich das Geld nicht habe, dann bringe ich eben meine Arbeitskraft ein. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn die eigene Leistungsfähigkeit realistisch eingeschätzt wird. Was machbar ist, lesen Sie in unserer Checkliste Eigenleistungen,
die Sie hier kostenlos herunterladen können.
Tipp: Rechnen Sie genau nach, welchen Aufwand Sie treiben müssen, wenn Eigenleistungen geplant sind. Dafür teilen Sie die avisierte Ersparnis durch 45 Euro, dem mittleren Stundensatz eines guten Handwerkers. Dann haben Sie die Anzahl der Stunden, die ein Experte braucht, um den Job zu erledigen. Denn die Ersparnis bezieht sich ja nur auf den Lohn, das Material brauchen Sie trotzdem. Jetzt nehmen Sie die Stundenzahl mal 1,5, und dann wissen Sie, wie viel Zeit Sie ungefähr benötigen.
Ein Beispiel: Um 10.000 Euro Arbeitslohn zu sparen, müssen Sie einen Arbeitsaufwand von rund 330 Stunden einplanen, denn ein Meister bräuchte ungefähr 220 Stunden –
Sie brauchen mindestens 50 % mehr Zeit. Und 330 Stunden sind immerhin rund 8 volle Arbeitswochen!
2. Hypotheken-Falle: Falscher Tilgungssatz
Trotz der derzeit
günstigen Zinsen entscheiden sich viele Immobilienkäufer nur für eine anfängliche Tilgung von 1 %, damit die monatliche Belastung insgesamt niedrig bleibt. Denn bei 250.000 Euro Darlehen erhöht 1 Prozentpunkt mehr Tilgung die monatliche Rate um mehr als 200 Euro – sie verkürzt die Laufzeit des Darlehens bei 5 % Zins allerdings auch um 11 Jahre und verbilligt es um fast 100.000 Euro, weil das Darlehen schneller getilgt ist.
Tipp: Wenn Sie monatlich nicht mehr Geld zahlen wollen, lassen Sie sich die Option einräumen, jährlich einen Extra-Betrag zu tilgen. Diese Option kostet meist nichts und gibt Ihnen Gelegenheit, das Darlehen schnellstmöglich zurückzuzahlen. Das hat übrigens einen weiteren Vorteil: Je schneller das Darlehen getilgt wird, desto geringer ist die Restschuld bei einer späteren Anschlussfinanzierung – und das zahlt sich vor allem aus, wenn die Zinsen bis dahin gestiegen sind!
3. Hypotheken-Falle: Keine Kostenkontrolle
Wenn Sie keine "schlüsselfertige" Immobilie kaufen, werden bei der Planung oft wichtige Kosten vergessen. So fallen z. B. Kosten von bis zu 9.000 Euro an, um eine neue Immobilie mit Gas, Wasser, Strom und Telefon zu versorgen. Ganz zu schweigen von den laufenden Nebenkosten während der Bauphase, z. B. für Strom, Wasser und Versicherungen.
Tipp: Wir haben für Sie die
kostenlose "Übersicht Hausbau-Nebenkosten" zusammengestellt. Aus der können Sie entnehmen, mit welchen Kosten Sie auf jeden Fall rechnen müssen. Bauen Sie alle Positionen mit in Ihre Finanzplanung ein, damit Sie keine böse Überraschung erleben.
4. Hypotheken-Falle: Darlehens-Experimente
Banken sind kreativ, wenn es darum geht, Geld zu verdienen: Auch und gerade mit Bauherren. Und so stolpern Bauherren gerne einmal über Baufinanzierungen in japanischen Yen oder Fonds-Hypotheken, bei denen das eingezahlte Geld nicht zur Tilgung der Verbindlichkeiten benutzt wird, sondern in Aktienfonds angelegt wird. Beiden (und auch anderen Modellen) ist gemein, dass sie hoch spekulativ und somit nicht geeignet sind, eine Immobilie solide und sicher zu finanzieren.
Tipp: Finger weg von solchen Experimenten! Ihre Baufinanzierung sollten Sie mit
klassischen Darlehen gestalten – ohne Wenn und Aber! Alles andere wird zu einer riskanten Wette mit Zinsen und Währungsgewinnen – und Sie setzen Ihr Zuhause als Einsatz ein!
5. Hypotheken-Falle: Keine Rücklagen
Beim Bau oder Kauf einer Immobilie wartet so manche unangenehme Überraschung: Die Ausstattung im Neubau wird teurer als geplant, oder im Altbau wartet eine teure Sanierungsmaßnahme, mit der Sie nicht gerechnet haben. All das kostet Geld, und es ist in der Regel schwer, nach einem bewilligten Darlehen noch ein kleineres Darlehen zu günstigen Konditionen zu bekommen, wenn die Kasse leer ist. Denn das 1. Darlehen steht auch im Grundbuch an 1. Stelle, jedes weitere Darlehen wird teurer, weil es im Rang dahinter steht. Dazu kommt, dass viele Banken Darlehen unter 50.000 Euro nur ungerne vergeben, weil die Bearbeitungskosten zu hoch sind. Deshalb ist es sehr wichtig, sich eine finanzielle Reserve für Unvorhergesehenes anzulegen.
Tipp: Diese Reserve sollte aus Eigenmitteln bestehen. Planen Sie bei der
Finanzierung von Anfang an eine finanzielle Reserve ein, die Sie nur im Notfall angreifen. So sind Sie zumindest finanziell gegen Überraschungen geschützt.