So lernt Ihr Nachwuchs den richtigen Umgang mit Geld
Die Geld-Schule
Mit Geld umzugehen, scheint alles andere als einfach zu sein: Jeder 5. Haushalt in Deutschland hat zumindest gelegentlich Geld-Probleme, jeder 10. Haushalt steckt regelmäßig in der Geld-Krise. Das allein ist Grund genug, die eigenen Kinder auf den richtigen Umgang mit Geld vorzubereiten.
Helfen kann Ihnen dabei die Geld-Schule. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihr Kind auf die „Geld-Wirklichkeit“ vorbereiten.
Lektion 1: Die Eigenverantwortung
Ihre Kinder lernen den richtigen Umgang mit Geld vor allem durch das Taschengeld, das sie erhalten. Allerdings ist dieses Taschengeld nur dann „Lehr-Geld“, wenn Ihre Kinder frei darüber verfügen dürfen. Schreiben Sie Ihren Kindern nicht vor, wofür Sie das Taschengeld ausgeben sollen und dürfen. Wenn Sie Ihre Kinder so regulieren, bekommen sie einen falschen Wert vermittelt und der Lern-Effekt geht verloren.
Tipp: Zahlen Sie Ihren Kinder das Taschengeld regelmäßig zu einem festen Termin zur freien Verfügung aus – ohne Wenn und Aber!
Übrigens: Tipps für den stresslosen Umgang mit dem Thema Taschengeld bekommen Sie hier.
Lektion 2: Geld ist kein Druckmittel
Voraussetzung für einen erfolgreichen Umgang mit Geld ist vor allem, dass Kinder den realistischen Wert des Geldes im täglichen Leben einschätzen können. Sie müssen lernen, wie schwer es zu verdienen ist und wie leicht es dagegen sein kann, es „auf den Kopf zu hauen“. Das alles werden Kinder aber nicht begreifen, wenn Sie Geld als Druckmittel für Wohlverhalten einsetzen. Ihre Kinder werden keine Geld-Kompetenz entwickeln, wenn Sie mit Taschengeldentzug drohen. Sie sehen Geld dann als willkürliche Belohnung für Wohlverhalten an – mit dem realistischen Leben hat das nichts zu tun!
Tipp: Taschengeld und ganz allgemein der Umgang mit Geld dürfen nicht von „Alltagslaunen“ abhängen. Die objektive Verlässlichkeit muss für Ihre Kinder gegeben sein.
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Lektion 3: Offenheit ist das A und O
Ich werde fast ein bisschen ärgerlich, wenn ich heute immer noch den Spruch höre „Über Geld redet man nicht“. Tatsächlich wird Geld immer noch schamhaft totgeschwiegen und viele Familien schaufeln sich selbst und auch den Kindern das Schulden-Grab, indem sie Geld immer wieder zum Tabuthema erklären. Dabei macht ein offener Umgang mit dem Thema Finanzen so vieles einfacher: Warum sagen Sie Ihrem Kind z. B. nicht einfach, dass Sie keinen finanziellen Spielraum haben, um ihm einen bestimmten Wunsch zu erfüllen? Das Kind wird es eher verstehen, als wenn es immer wieder ausweichende Antworten bekommt und natürlich sowieso merkt, dass irgendetwas nicht stimmt.
Tipp: Machen Sie Geld in Maßen zum Thema. Legen Sie für alle kleinen und großen Familienmitglieder einmal monatlich die Finanzen auf den Tisch, damit alle wissen, woran Ihre Familie finanziell ist.
Übrigens: Mehr zum Thema Geld-Etikette erfahren Sie hier!
Lektion 4: Leben Sie Geld vor!
Lange bevor die Freunde ins Spiel kommen und mitbestimmen, was ein Kind „braucht“ und was nicht, schauen unsere Kinder uns auf die Finger und ins Portmonee. Wir leben vor, wie mit Geld umgegangen wird. Prassen die Eltern, werden auch die Kinder Probleme mit der Sparsamkeit haben. Wird über Geld nicht geredet, wird auch unser Nachwuchs Probleme haben, sich jemals einem Berater anzuvertrauen. Wir sind für unsere Kinder das erste Beispiel im Leben, wie mit Geld umgegangen wird.
Tipp: Leben Sie Ihren Kindern den Geld-Stil vor, den Sie auch von ihnen erwarten bzw. den Sie prägen möchten.
Lektion 5: Geld-Wissen kann man nicht genug haben
Wissen Sie, dass jeder fünfte Besitzer einer Kapitallebensversicherung gar nicht weiß, wie diese Vorsorge funktioniert? Hätten Sie gedacht, dass über 70 % der Deutschen keine Ahnung haben, welche gravierenden Änderungen es bei der Altersvorsorge ab diesem Jahr gibt? Durch wen sind Sie das erste Mal als junger Erwachsener mit dem Thema Geld in Berührung gekommen? Durch Ihre Eltern? Bei den meisten ist das nicht der Fall. Unsere Eltern meinten es wahrscheinlich gut, als sie die alltäglichen Geld-Angelegenheiten von uns abgeschirmt haben. Leider haben sie das Gegenteil erreicht. Denn die ersten Geld-Antworten bekommen viele heute von Versicherungsvertretern oder Bankberatern – hilfreich sind diese Antworten nicht, sie bringen oft nur den „Beratern“ saftige Provisionen.
Tipp: Sorgen Sie dafür, dass es bei Ihnen anders wird: Nehmen Sie Ihre Kinder ab 14 oder 15 Jahren ruhig einmal mit zu einem Beratungsgespräch. Ihr Kind wird das Wissen gierig aufsaugen und Sie mit Fragen löchern. Und es ist Ihnen doch sicherlich lieber, Sie helfen Ihrem Kind in Geld-Dingen, als wenn es „Herr Kaiser“ macht?
Lektion 6: Fordern und fördern
Auch das Sparen müssen Ihre Kinder lernen. Kein 6- oder 7-Jähriger kommt von alleine auf den Gedanken, Geld zurückzulegen. Den Stein des Anstoßes dafür müssen Sie geben – ohne sich einzumischen. Schaffen Sie deshalb doch Anreize: Machen Sie Ihrem Kind klar, dass die Bank Zinsen zahlt und dass das Geld deshalb mehr und mehr wird, wenn es gut angelegt wird. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass etwas Geduld bei größeren Wünschen erforderlich ist, damit man sie sich leisten kann.
Tipp: Fördern Sie den Spar-Drang Ihres Kindes doch einfach, indem Sie selbst zusätzliche Zinsen auf das Spar-Geld zahlen. So sieht das Kind (anders als bei den mickrigen Bank-Zinsen momentan) sehr schnell, wie lohnend Sparen sein kann. Vorsicht aber: Zahlen Sie keine unrealistischen Mond-Zinsen von 30, 40 oder 50 %, sonst glaubt Ihr Kind am Ende noch, das geht immer so weiter ...
Lektion 7: Geld-Cleverness hilft im Leben
Beim Umgang mit Geld kommt es auch auf einen Schuss „Pfiffigkeit“ an. Natürlich weiß heute spätestens jeder 10-Jährige, dass Zinsen das Geld vermehren. Aber unseren Kindern fehlen die Weitsicht und auch die mathematischen Fähigkeiten, sich die Konsequenzen längerfristig vorzustellen. Zeigen Sie Ihrem Kind deshalb anhand von ganz alltäglichen Beispielen, wie Zinsen das Geld vermehren können. Verbinden Sie damit eine alltägliche Ausgabe (z. B. für Süßigkeiten) mit einem lang gehegten Wunsch (z. B. für einen neuen MP3-Player) und machen Sie Ihrem Nachwuchs doch einmal klar, dass schon ein paar Monate „Süßigkeiten-Kosten“ mit Zinsen genug Geld für einen MP3-Player der Extra-Klasse abwerfen.
Tipp: Zeigen Sie Ihrem Kind anhand von Beispielen in Euro und Cent, wie sich Sparsamkeit oder auch verschwenderisches Leben auswirken. Vermitteln Sie so das nötige „Geld-Knowhow“, aus dem im Laufe der Jahre die wichtige Geld-Cleverness wird. Denn Sie wissen ja:
Reichtum kann man lernen – mehr dazu hier.
Lektion 8: Training ist alles
„Denn sie wussten nicht, was sie tun... “ Dieser Titel eines Filmklassikers aus den 50er Jahren passt auch auf viele Anleger, die während der Hysterie am Neuen Markt ihr Geld verloren haben. Da wurde in Unternehmen investiert, von denen nicht einmal ansatzweise bekannt war, wie diese Firmen ihr Geld verdienen. Wenn Sie (was ich nicht hoffe) ebenfalls zu den unwissenden Anlegern gehören, dann sorgen Sie zumindest dafür, dass Ihrem Kind das nicht passieren kann. Mit einfachen Börsensimulationen können Kinder ab 14 oder 15 Jahren heute lernen, wie sich das Investieren an der Börse anfühlt. Geben Sie ihm diese Chance!
Tipp: Lassen Sie Ihr Kind an einem
Börsenspiel teilnehmen, wie es z. B. die FAZ anbietet. So lernt Ihr Kind spielerisch den Umgang an der Börse, ohne dass es gleich das erste Ersparte riskiert!
Lektion 9: Warum soll Ihr Kind nicht arbeiten?
Wenn Ihre Kinder sich nebenbei etwas dazuverdienen wollen, ist dagegen nichts einzuwenden, wenn sie alt genug sind. Das ist in der Regel mit 12 bis 14 Jahren der Fall. Wenn Eltern die „Kinder-Arbeit“ verhindern wollen, geschieht das oftmals nicht, weil sie sich Sorgen um ihr Kind machen – sie machen sich vor allem Sorgen um ihr Ansehen. Sie meinen, man könnte sie als „arm“ ansehen, wenn der Nachwuchs arbeiten gehen muss. Tatsächlich hilft ein regelmäßiger Job unseren Kindern dabei, ein besseres Gefühl für Geld zu bekommen.
Tipp: Warum soll Ihr Kind nicht frühzeitig lernen, wie sich Geldverdienen anfühlt? Lassen Sie es gewähren, wenn es sich auf diese Weise Wünsche erfüllen will. Helfen Sie dabei, einen Job zu finden! Nur wenn die Arbeit die schulischen Leistungen oder auch die Gesundheit beeinträchtigt, müssen Sie selbstverständlich Ihr Veto einlegen.
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